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Ironman-WM auf Hawaii : Jan Frodeno trotzt dem Alter

Glutenfreie Ernährung, Motivationstapes und knallhartes Training: Jan Frodeno ist ein Besessener. Deshalb könnte er den Ironman mit 38 Jahren noch gewinnen.

Zum Duell zwischen Jan Frodeno (rechts) und Patrick Lange kam es diesmal auf Hawaii nicht.
Zum Duell zwischen Jan Frodeno (rechts) und Patrick Lange kam es diesmal auf Hawaii nicht.Foto: Arne Dedert/dpa

Der Mann hat ein gebrochenes Herz. Jan Frodeno versteckt seine Augen hinter seiner Sonnenbrille. Trotzdem kann er nicht verhindern, dass seine Stimme bricht. „Es waren ein paar harte Stunden“, sagt er. Knapp acht schwere Stunden waren es tatsächlich - nicht wegen der grausamen Hitze, der drückenden Luftfeuchtigkeit und der aggressiven Konkurrenz. Was die Ironman-WM vor einem Jahr in Kona auf Hawaii so anstrengend für den zweifachen Weltmeister machte, war das Zuschauen.

Er wollte dabei sein an einem historischen Tag, an dem auch aufgrund der Windstille und der relativ gemäßigten Temperaturen alle Rekorde fielen. „40 Jahre lang haben alle auf einen Tag wie diesen gewartet“, sagt Frodeno in dem Video, das er erst vor wenigen Tagen auf seinem Instagram-Account veröffentlichte.

Drei Jahre ist es her, dass Jan Frodeno zuletzt in Kona als Erster über die Ziellinie lief. Im vergangenen Jahr musste er einen Ermüdungsbruch in der Hüfte kurieren, im Jahr davor kam er wegen Rückenschmerzen auf den 69. Platz. An diesem Samstag (18.15 Uhr/Livestream auf ARD.de) ist er endlich wieder dabei. 38 Jahre ist ein hohes Alter für Ambitionen auf der Strecke, die aus 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathonlauf besteht. Nur der Australier Craig Alexander schaffte Vergleichbares, als er 2011 ebenfalls im Alter von 38 Jahren auf Hawaii gewann.

Frodeno ist der alte Elefant, dem die jungen Triathleten auf den Leib rücken. Da wären der drei Jahre jüngere Sebastian Kienle, der für seine letzten Karrierejahre den Trainer wechselte. Patrick Lange hingegen erwuchs diesmal nicht zu einem Konkurrenten, der 33-Jährige Champion der vergangenen beiden Jahre stieg auf der Radstrecke nach zweieinhalb Stunden wegen Fiebers ab und musste aufgeben. Auf der olympischen Distanz drängen seit der vergangenen Saison der britische Weltcup-Star Alistair Brownlee und der Spanier Xavier Gomez nach, mit denen sich Frodeno bereits bei der WM 2018 über die Ironman-Halbdistanz ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte. Es ging für den Deutschen gut aus. Noch.

Wer aber glaubt, Frodeno würde müde, der kennt den gebürtigen Kölner schlecht. Frodeno ist ein Besessener, ein Ingenieur seiner eigenen Hochleistungsmaschine. Die besteht aus seinem 1,94 Meter großen und 77 Kilogramm leichten Körper, an dem Sehnen und Rippen hervortreten und den er glutenfrei ernährt. Sie baut auf sorgfältig organisierte Rahmenbedingungen auf mit abwechselnden Lebensmittelpunkten in Girona und Noosa in Australien, mit Physiotherapeut und Trainingsplänen des Luxemburgers Dan Lorang, sportlicher Direktor eines Rennradteams und Trainer der Kona-Dritten Anne Haug.

Frodenos Schaltzentrale aber ist sein Kopf. In seiner Autobiografie „Eine Frage der Leidenschaft“ beschreibt er, wie er mithilfe eines eigens für ihn produzierten Motivationstapes seine mentale Blockade knackte: „Ich habe spätabends im Bett das Motivationstape gehört und auf einmal – ich konnte es gar nicht fassen – habe ich das Rennen in meinem Unterbewusstsein gewonnen, musste in meiner Vorstellung erstmals auf der Zielgerade niemanden mehr an mir vorbeiziehen lassen.“ Zwei Wochen später gewann er bei den Olympischen Spielen in Peking den Triathlon.

Frodeno beherrscht die Kunst der freundlichen Psychospielchen

Es ist diese mentale Stärke, die Frodeno zum beliebten, aber auch gefürchteten Athleten macht, die ihn immer wieder aufstehen lässt. Er beherrscht die Kunst der freundlichen Psychospielchen. Im Interview mit dem Triathlon-Magazin zählte er die Stärken seiner Gegner von der Olympischen Distanz auf, setzte dann aber hinzu: „Ich werde nicht weinen, wenn Alistair nach 30 Kilometern (auf der Marathonstrecke, Anmerkung der Redaktion) hochgeht.“ Einerseits ist er der Gejagte - andererseits gewann er in diesem Jahr bereits die Ironman-EM in Frankfurt, bei 38 Grad Hitze.

Frodeno hat sich nicht nur gefangen, er brennt – für seinen Sport und für einen möglichen dritten Titel auf Hawaii. Das merkte man ihm sogar vor einem Jahr an, in einem der wohl dunkelsten Momente seiner Karriere. In dem Instagram-Video ging es nämlich nicht nur um das Lamento des Verletzten an der Seitenlinie. „Noch 52 Wochen“, sagte er und richtete damit den Blick auf die WM 2019. „Ich kann es gar nicht abwarten, wieder mit dem Training zu beginnen. Ich hoffe nur, meine Hüfte hält und dass ich es noch einmal versuchen darf: Nach Hawaii zurückkehren, den Ali‘i Drive runter laufen, das Zielband als Erster abreißen – noch ein Mal.“

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