Istaf Indoor : Ungleicher Kampf der Geschlechter

Für das Leichtathletik-Meeting Istaf Indoor werben die Veranstalter mit dem Duell Frau gegen Mann. Allerdings mit ungleichen Mitteln.

Bald Kontrahenten. Shanice Craft (l.) und Christoph Harting (r.) treten beim Istaf Indoor am 1. Februar gegeneinander an. Das Hallenmeeting findet im nächsten Jahr zum sechsten Mal statt. Schon 6500 Tickets sind bislang verkauft worden.
Bald Kontrahenten. Shanice Craft (l.) und Christoph Harting (r.) treten beim Istaf Indoor am 1. Februar gegeneinander an. Das...Foto: camera 4

Auf den ersten Blick ist es ein ungleiches Duell: Rücken an Rücken stehen Shanice Craft und Christoph Harting mit Diskusscheiben in ihren Händen im Foyer der Arena am Ostbahnhof. Harting ist exakt einen Kopf größer als seine Kollegin, die zumindest für einen Wettkampf seine Rivalin sein wird, wie am Dienstag bekannt wird.

Die Gleichberechtigung von Frau und Mann stößt beim Sport noch an ihre Grenzen. Die Ungerechtigkeit besteht in erster Linie darin, dass, wie Harting am Dienstag betont, „die Männer physisch schlicht überlegen sind“. Auch der Leichtathletik-Veranstalter Martin Seeber erinnert in diesem Zusammenhang an den Tennisspieler Karsten Braasch. Der war in der Weltrangliste abgeschlagen, rauchte gern mal ein Kippchen, schoss aber trotzdem Ende der neunziger Jahre die bei den Frauen top-platzierten Williams-Schwestern Serena und Venus direkt nacheinander vom Platz.

Nun hat Seeber meist ein untrügliches Gespür für geschickte Vermarktung. Für das Istaf Indoor am 1. Februar in der Arena am Ostbahnhof ruft er den Kampf der Geschlechter aus. Es gebe kaum einen sportlichen Wettbewerb, in dem die Frauen mit den Männern mithalten könnten, erzählt er. Beim Diskuswerfen seien die Unterschiede aber gering. „Deswegen treten bei uns die vier besten Frauen gegen die vier besten Männer an. Ich bin gespannt.“

Seeber ist immer auf der Suche nach einer guten Idee

Stellvertretend für das Geschlechterduell hat Seeber Harting und Craft zur Pressekonferenz für das Hallenmeeting bestellt. Beide arbeiten bei der Bundespolizei, beide gelten als Medaillenkandidaten für die Großveranstaltungen in den kommenden zwei Jahren und beide sind von den Vorzügen des eigenen Geschlechts überzeugt. Craft nimmt das Duell gerne an. „Da freue ich mich drauf“, sagt sie. „Die Frauen werden das rocken. Sie sind mental stärker, haben die besseren Nerven.“

Seeber ist immer auf der Suche nach einer guten Idee, um der Leichtathletik Auftrieb zu geben. Eine seiner besten war das Istaf Indoor, das im nächsten Jahr in seine sechste Auflage geht. Ob der Einfall mit dem Geschlechterkampf dazugehört, darf aber bezweifelt werden. Seeber verschweigt, dass der Kampf Frau gegen Mann mit ungleichen Mitteln ausgetragen wird. Der Diskus der Frauen ist ein Kilogramm schwer, jener der Männer wiegt das Doppelte. „Mit dem Ein-Kilogramm-Diskus“, verrät Christoph Harting, „habe ich schon knapp 89 Meter geworfen.“ Der Weltrekord bei den Frauen liegt bei 76,80 Metern, geworfen in den dopingverseuchten Achtziger Jahren von der DDR-Athletin Gabriele Reinsch. Soll heißen: Das Leistungsniveau zwischen den Geschlechtern liegt, anders als von Seeber behauptet, sehr weit auseinander. Die Frage ist auch, ob man den Frauen mit dem vermeintlichen Duell auf Augenhöhe, das in Wirklichkeit keines ist, einen Gefallen tut. Zumal das Ganze als Vermarktungsinstrument offenbar ohnehin nicht nötig gewesen wäre. Seeber spricht am Dienstag von einem Boom in der Leichtathletik. Schon sechseinhalbtausend Tickets seien verkauft, die Chancen auf eine ausverkaufte Halle seien groß.

Tatsächlich war dieses Jahr mit den Europameisterschaften in Berlin außerordentlich erfolgreich für die olympische Kernsportart. Bis zu 60 000 Menschen in der Spitze hatten die Wettkämpfe im Olympiastadion besucht und bis zu fünf Millionen Zuschauer verfolgten die EM vor den Fernsehern. Die Bilanz war auch sportlich aus deutscher Sicht zufriedenstellend: Der Deutsche Leichtathletik-Verband gewann 19 Medaillen. 13 davon gingen übrigens auf das Konto der deutschen Frauen. Der Druck vor der Heimkulisse war eben groß. Und wie man seit Shanice Craft weiß, können Frauen damit besser umgehen.

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