Japanischer Schiedsrichter-Fan : "Ein Schiedsrichter muss einsam und mutig sein"

Herr Shino ist allein bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland unterwegs und Fan der Schiedsrichter. Warum?

Herr Shino nimmt seine Sache ernst. Außer wenn es um Japan geht.
Herr Shino nimmt seine Sache ernst. Außer wenn es um Japan geht.Foto: Andreas Bock

Herr Shino, gleich ist Anpfiff. Müssen Sie nicht aufs Feld?

Keine Sorge, ich bin nicht der offizielle Schiedsrichter. Ich bin Schiedsrichter-Fan. Der einzige auf der Welt.

In Deutschland gibt es einen Schiedsrichter-Fanklub namens „Brigade Hartmut Strampe“. Der sucht immer Mitglieder. Interesse?

Das klingt spannend, aber das ist nichts für mich. Ein Schiedsrichter muss einsam und mutig sein. Er folgt nicht der Masse. Ich bin alleine hier.

Wer ist denn der beste Schiedsrichter aller Zeiten? Yuichi Nishimura? Pierluigi Collina? Hartmut Strampe?

Schon wieder dieser Strampe. Aber was ist das überhaupt für eine Frage! Ich bin natürlich unparteiisch.

Aber Sie feuern dennoch die Schiedsrichter an?

Na, klar. Sie sind in einem Meer von Betrügern unterwegs. Alle paar Meter fallen die Spieler hin, winden sich, sie führen sich auf wie in Hollywood. Haben Sie Neymar gesehen? Eine Frechheit.

Welche Karte mögen Sie lieber: die Rote oder die Gelbe?

Natürlich die Rote. Erinnern Sie sich noch an Japans erstes Gruppenspiel gegen Kolumbien? Diese Rote Karte gegen Carlos Sanchez war wunderbar.

Sie kommen aus Japan?

Ja. Aus Tokio. Warum fragen Sie?

Weil Sie eben doch ein wenig parteiisch klangen.

Das ist Ihre Meinung.

Das Gespräch führte Andreas Bock.

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