Jörg Schmadtke vom VfL Wolfsburg : "Wir sind keine Schmuddelkinder"

Geschäftsführer Jörg Schmadtke spricht über seine Ziele mit dem VfL, die Reize Wolfsburgs - und seine Erfahrungen mit dem Handball.

Jörg Schmadtke, 54, ist seit dieser Saison Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg, der am Samstag im Olympiastadion gegen Hertha BSC antritt.
Jörg Schmadtke, 54, ist seit dieser Saison Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg, der am Samstag im Olympiastadion gegen Hertha BSC...Foto: imago/photoarena/Eisenhuth

Herr Schmadtke, was kostet ein Liter Milch?

(Lacht) Ein Euro ungefähr. Hängt natürlich davon ab, welche Qualität Sie kaufen.

Welche Milch kaufen Sie?

Eher die teure.

Sie haben mal erzählt, dass Sie immer noch selbst im Supermarkt einkaufen gehen.

Ja, gestern erst.

Kommt es auch mal vor, dass Sie da Bruno Labbadia treffen oder irgendwelche Spieler vom VfL?

Bisher nicht, aber ich gehe davon aus, dass die meisten von ihnen auch ins Geschäft gehen, den Einkaufskorb voll machen und an der Kasse bezahlen. Ich wüsste nicht, wie sie sonst ihre Produkte nach Hause bekommen. 

Wie ist es, sich mit dem Gesicht von Jörg Schmadtke durch Wolfsburg zu bewegen?

Es ist nicht immer angenehm – wegen des Gesichts, meine ich (lacht). Nein, es ist ganz normal für mich, wie in jeder anderen Stadt auch.

Gibt es einen Unterschied zu Ihrer vorherigen Station in Köln?

Hier sind natürlich weniger Menschen unterwegs als in Köln. Die Stadt ist kleiner, die Wege sind kürzer. Du musst weniger planen, wenn du von A nach B fährst, weil der Verkehr hier überschaubar ist. In Ballungszentren musst du dir schon überlegen, wann du wo hinfahren willst und ob das in diesem wirklich Moment sinnvoll ist. 

Haben Sie eigentlich ein Faible für Extreme?

Wieso?

Köln ist einer der emotionalsten Bundesligastandorte. Wolfsburg eher das Gegenteil.

Es war keine bewusste Entscheidung, dass ich gesagt habe: Nach Köln muss nun etwas gänzlich anderes kommen. Ich bin angesprochen worden und habe dann überlegt, ob diese Aufgabenstellung für mich interessant ist. Und das ist ja auch das, was diesen Job für mich ausmacht: Jeder Verein hat seine eigenen Qualitäten und seine eigenen Herausforderungen. Das ist der Reiz, aber auch der Spaß an der Geschichte. Es gibt keine Blaupause, die für jeden Verein passt. 

Was ist die Herausforderung beim VfL Wolfsburg?

Der Verein hat seine Möglichkeiten zuletzt nicht ausgeschöpft. Und ich würde gerne ausprobieren, ob es anders geht und ob ich mehr aus dem VfL rauskitzeln kann.

Könnte es an der fehlenden Emotion liegen, dass der VfL unter seinen Möglichkeiten geblieben ist?

Nein. Das ist ein Trugschluss. Die Region steht emotional zu diesem Verein, die Bindung zwischen den Zuschauern und dem Klub ist sehr eng. Das ist schon durch den Arbeitgeber Volkswagen hier in Wolfsburg gegeben.

In Köln gab es viele Spieler, die in Köln geboren waren und dadurch eine emotionale Verbindung zum FC hatten. Wie sieht das in Wolfsburg aus?

Das war damals auch eine strategische Maßnahme. Wir wollten in diesem sehr emotionsgeladenen Umfeld auch die Kölner Seele ein Stück weit bedienen. Und wie macht man das am besten? Indem wir Leute aus der Region in unsere Mannschaft integriert haben. Natürlich nur, wenn es auch sportlich sinnvoll war. Es macht ja keinen Sinn, 15 Kölner zu verpflichten, die nicht Fußball spielen können. 

Inwieweit lässt sich das auf Wolfsburg übertragen?

Wir haben hier andere Grundvoraussetzungen und stellen andere Dinge in den Vordergrund: die hervorragende Infrastruktur, hervorragende Arbeitsbedingungen. Die Spieler haben hier die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. Und wir sind auch dabei, die enge Verbundenheit zu VW weiter zu stärken. Ein Spieler, der hier hinkommt, sollte schon wissen, wer am Ende der Geldgeber ist. 

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