Sport : Kampf um Worte

Die Deutsche Eishockey-Liga ermittelt erstmals wegen des Vorwurfs der rassistischen Beleidigung

Claus Vetter

Berlin - Die Zahlen, die am Ende eines harten Eishockeyspiels standen, waren unfreundlich für die Hamburg Freezers: 0:4 gegen Düsseldorf, 0:2-Stand im Play-off-Viertelfinale. Der Vorwurf, der im Raum steht, ist heftiger: Hamburgs Angreifer Marc Beaucage soll seinen dunkelhäutigen Gegenspieler Jean-Luc Grand- Pierre vor dem Spiel am Sonntag in der Color-Line–Arena im Kabinengang als „Fucking Nigger“ beleidigt haben. „Ich hasse Rassismus, und eine solche Geschichte trübt die Freude über den Sieg“, erklärte Düsseldorfs Manager Lance Nethery. Nun läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Beaucage bei der Deutschen Eishockey- Liga (DEL).

Grand-Pierres Teamkollegen Nils Antons und Benjamin Barz wollen die Beleidigung gehört haben. Barz sagte: „Diese Äußerung ist gefallen, ich habe mich erschrocken. Grand-Pierre hat sich aber nicht irritieren lassen.“ Beaucage – wie Grand- Pierre Frankokanadier – bestreitet die Vorwürfe.  Er und Mitspieler Ahren Spylo haben nun eidesstattliche Versicherungen abgegeben. Spylo will Beaucage auf dem Kabinengang begleitet haben: Als die Hamburger an der Düsseldorfer Kabine vorbeigekommen seien, wären die im Raum stehenden Worte nicht gefallen. „Ich habe noch nie mit Grand-Pierre gesprochen, und wenn würde ich es auf Französisch tun“, sagte Beaucage dem „Hamburger Abendblatt“. Freezers-Sportdirektor Boris Capla wittert eine Verschwörung. „Das ist eine Hetzkampagne von Herrn Nethery“, sagte Capla dem Tagesspiegel. „Was Nethery von sich gibt, stimmt nicht. Die Düsseldorfer haben sich auf eine niedrige Stufe begeben, so etwas kannte ich noch nicht.“ Am Freitag im ersten Spiel in Düsseldorf hätte der Gegner Beaucage schon übelst traktiert. „Wir werden uns wehren.“ Inzwischen haben die Hamburger eine Unterlassungserklärung angefordert. Wiederhole Nethery seine Worte, müsse er 10 000 Euro Strafe zahlen, sagte ein Anwalt der Freezers.

Düsseldorfs Trainer Don Jackson hat kein Verständnis für die Haltung der Hamburger. Der US-Amerikaner sagte dem Tagesspiegel: „Mit Rassismus spielt man nicht. Ich bin überrascht, dass die Freezers so etwas versuchen. So etwas erfinden wir nicht, die Freezers haben sich zu entschuldigen.“ Zumindest ein Hamburger hat Übung darin: Trainer Bill Stewart. Der Kanadier hatte im November 2006 als Trainer der Black Wings in Linz bei einem Spiel in Wien Chris Hamilton, Mentaltrainer des Gegners, mit den Worten: „Go home, fucking Nigger“ beleidigt. Stewart entschuldigte sich später.

Rassismus war in der DEL bislang kein Thema. Es gibt in der Liga seit Jahren Spieler mit dunkler Hautfarbe, mit Mario Gehrig war ein Afrodeutscher schon Nationalspieler. In einem Interview sagte Jean-Luc Grand-Pierre noch im Dezember: „Ich habe in der DEL noch nie rassistische Beschimpfungen gehört, weder von Fans noch von Spielern oder Offiziellen.“

Die DEL steht also vor einer neuen Situation. Bestätige sich der Vorwurf, dann müsse Beaucage mit einer „saftigen Geldstrafe“ rechnen, sagt DEL-Sprecher Alexander Morel. Im Wiederholungsfalle könne dem Spieler seine Lizenz entzogen werden. Allerdings kommt der Fall Beaucage laut Morel „nicht vor Mittwoch auf den Tisch“. Dann aber ist es auf dem Eis schon weitergegangen: Heute steht in Düsseldorf Spiel drei der Play-off-Serie zwischen der DEG und den Freezers auf dem Programm. Mit einem freundlichen Miteinander ist kaum zu rechnen.

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