Kein Glück in Stettin : Deutsche Turner enttäuschen bei EM

Kein gutes Omen für die Heim-WM in Stuttgart: Erstmals seit vier Jahren erreichte kein deutscher Turner bei einer EM das Gerätefinale.

Lichtblick. Andreas Toba konnte nach langer Pause überzeugen.
Lichtblick. Andreas Toba konnte nach langer Pause überzeugen.Foto: dpa

Marcel Nguyen stieß einen Fluch aus, Lukas Dauser ärgerte sich sehr gefasst. Erstmals seit 2015 in Montpellier steht kein Deutscher in einem der sechs Gerätefinals bei einer kontinentalen Meisterschaft. Als einziger ist ausgerechnet Olympia-Held Andreas Toba nach langen Verletzungsproblemen noch im EM-Rennen: Die Podestplätze sind aber für den Turner aus Hannover im Mehrkampf-Finale weit entfernt. Die deutschen Turner müssen nach dem EM-Rückschlag von Stettin nun um die Olympia-Tickets für die komplette Riege bangen. Bei der Heim-Weltmeisterschaft in Stuttgart, wo die letzten neun Team-Fahrkarten für die Reise nach Tokio 2020 vergeben werden, ist nun eine deutliche Steigerung nötig.

„Wir haben nicht das Erhoffte erreicht“, urteilte Cheftrainer Andreas Hirsch deutlich. „Wir waren nicht zum Probieren hergekommen“, meinte der Chef nach einer Serie von Pannen in der Stettiner Arena. „Schließlich hatten wir unser bestes Aufgebot am Start und die EM sehr ernst genommen“, erwähnte er nach dem unerwarteten Dämpfer. Der Gedanke an das mögliche Verpassen der Olympia-Fahrkarten wird noch nicht thematisiert, dafür gibt es auch (noch) keinen Grund. Nach 1948 - als deutsche Sportler nach dem 2. Weltkrieg in London nicht startberechtigt waren - hatte sich immer zumindest eine deutsche Männer-Riege für Olympische Spiele qualifiziert. Doch nun ist bis zum Oktober in Stuttgart vor allem mehr Stabilität gefragt.

„Wir müssen die technischen Fehler abstellen. Da landet Nick Klessing nach dem Dreifachsalto an den Ringen auf dem Hintern. Wir werden jetzt deshalb nicht das Element aus der Übung nehmen, sondern den Grund finden, warum er ihn nicht gestanden hat“, sagte Hirsch. Der Umbruch nach dem Rücktritt von Olympiasieger Fabian Hambüchen ist in den zurückliegenden Jahren nicht wie gewünscht vorangegangen. „Die jungen Leute sind noch nicht die richtige Hilfe“, sagte Hirsch und sprach vom „schleifenden Generationswechsel“, nachdem Felix Remuta (21 Jahre) und auch Ex-Junioren-Europameister Nick Klessing (22) einige Patzer in Kauf nehmen mussten.

Nguyen und Dauer patzten am Barren

So ruhen die Hoffnungen für die WM auf den bewährten Kräften, wobei Andreas Toba mit seinem ersten Mehrkampf seit drei Jahren durchaus zu überzeugen wusste. „Sein Gerät ist eben der Mehrkampf“, sagte Hirsch verschmitzt. Er verwies darauf, dass er auf den Allrounder nicht verzichten kann, auch wenn er sich derzeit mit keinem Spezialgerät in ein Finale turnen kann.

Anders sieht das bei Marcel Nguyen und Lukas Dauser aus, die am Barren durch Fehler - Nguyen berührte beim Makuz den Holmen, Dauser machte einen großen Schritt beim Abgang - ihre Medaillenchancen vorzeitig verspielten. Das Verpassen des Finals war dennoch unglücklich, denn beide landeten mit 14,533 Punkten hinter dem punktgleichen Briten Brinn Bevan nur auf den Rängen neun und zehn. „Echt bitter. Aber das Leben geht weiter, wir schauen nach vorn“, sagte Dauser. (dpa)

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