• Keine Zuschauer bei Topspiel wegen Coronavirus: Die BR Volleys und das Minusgeschäft

Keine Zuschauer bei Topspiel wegen Coronavirus : Die BR Volleys und das Minusgeschäft

Statt Rekordeinnahmen machen die Volleys Schulden gegen Friedrichshafen. Manager Niroomand hofft nun, die Saison verschieben zu können.

Die BR Volleys schmettern am Sonntag gegen Friedrichshafen vor leeren Rängen.
Die BR Volleys schmettern am Sonntag gegen Friedrichshafen vor leeren Rängen.Foto: dpa

Auch den Spitzensport trifft das Coronavirus. Spiele werden verlegt oder abgesagt und Fans müssen fernbleiben. Besonders bitter ist es jetzt für die BR Volleys gekommen. Der Spielplan wollte es so, dass der aktuelle Deutsche Volleyball- Meister an diesem Sonntag ein Heimspiel gegen den VfB Friedrichshafen austrägt.

Die Spiele der Berliner gegen den Klub vom Bodensee sind seit Jahrzehnten ein Höhepunkt im deutschen Volleyballkalender. Am Sonntag wird das Spiel auch stattfinden, nur werden wegen des Coronavirus keine Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle sein.

„Das ist ein herber Verlust für uns“, sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand am Mittwoch. „Mit den Erlösen aus dem Ticketing und den Sponsorengeldern wäre das die größte Einnahme gewesen, die wir jemals bei einem Spiel erwirtschaftet hätten.“ Vor leeren Rängen aber wird das Spiel zu einem Minusgeschäft für den Berliner Volleyballklub, der europaweit in den vergangenen Jahren im Schnitt die meisten Zuschauer hatte.

Für die Volleys hätte auch die Möglichkeit bestanden, das Spiel vor bis zu 1000 Zuschauer auszutragen. Damit würde man den Vorgaben der Berliner Gesundheitsverwaltung noch entsprechen. „Das ist für uns aber keine Ideallösung “, sagt Niroomand. „Wir wollen konsequent und verantwortungsvoll sein. Auch bei 1000 Leuten besteht eine Gefahr.“ Außerdem habe man dann selektieren müssen. „Alles in allem haben wir uns daher für ein Geisterspiel entschieden.“

Schwere Zeiten drohen anzubrechen

Für die Volleys wie für viele andere Sportvereine drohen schwere Zeiten anzubrechen. Gerade in Sportarten, in denen die Klubs hierzulande Jahr für Jahr ihr nicht allzu üppiges Budget zusammenkratzen müssen, sind finanzielle Einschnitte nur schwer verkraftbar. Zumal etwa im Handball, Basketball und – noch verschärfter – im Volleyball die TV-Gelder die Ticketing- und Sponsorenerlöse nicht mal im Ansatz auffangen können.

So hoffen nun alle Beteiligten, dass sie die Krise durch das Virus glimpflich überstehen. „Wenn es noch lange weitergeht mit den Geisterspielen, wäre das schlimm“, sagt Niroomand. „Im schlechtesten Fall würden bei uns in den Playoffs sechs Top-Spiele in der Max-Schmeling vor leeren Rängen stattfinden.“ Dann würden nicht nur die Zuschauereinnahmen wegfallen, sondern womöglich noch Sponsorengelder, die genau für diese Spiele gebucht haben.

Damit es nicht so weit kommt, will Niroomand Zeit gewinnen, die Bundesliga- Saison verlängern. Dem 67-Jährigen schwebt vor, dass der Volleyballweltverband (FIVB) die im Juni angesetzte Nations League absagt. „Dann könnten wir die Liga ein paar Wochen ruhen lassen und sie später zu Ende spielen.“

Ob der Weltverband auf die Interessen der Klubs Rücksicht nimmt und seine eigenen zurückstellt, scheint indes fraglich. In der Vergangenheit lagen Klubs und FIVB oft im Clinch. Die Klubs beklagten sich regelmäßig über den vollgestopften Spielekalender. Aber besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Eine zielführende Zusammenarbeit zwischen Klubs und Verband könnte so eine Maßnahme sein im Volleyball.

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