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„Keinen Bock“ auf Olympiasiegerin : Eisschnellläuferin Pechstein fordert „fette Entschuldigung“

Seit dem WM-Startverzicht von Claudia Pechstein hat Bundestrainer Erik Bouwman „keinen Bock“ auf sie. Das will sich Pechstein nicht gefallen lassen.

Fordert eine Entschuldigung. Claudia Pechstein streitet sich mit dem Bundestrainer.
Fordert eine Entschuldigung. Claudia Pechstein streitet sich mit dem Bundestrainer.Foto: Vincent Jannink/dpa

Ihr großes Ziel bleibt die achte Olympia-Teilnahme, doch das Zerwürfnis von Claudia Pechstein mit Bundestrainer Erik Bouwman überschattet den Einstieg in die Eisschnelllauf-Saison. Einen Tag vor den deutschen Meisterschaften in Inzell forderte Pechstein eine Entschuldigung des Niederländers, nachdem ihr Bouwman mitgeteilt hatte, dass er „keinen Bock“ auf ein Training mit ihr habe. Daraufhin sah sich die 47 Jahre alte Berlinerin zu Alternativen gezwungen, trainiert künftig mit der polnischen Auswahl.

Auslöser des Zwists war Pechsteins Startverzicht bei der WM in der Teamverfolgung im März. Ob sie künftig wieder im deutschen Trio laufen werde, scheint fraglich. „Bevor Erik Bouwman fragt, wäre erstmal eine fette Entschuldigung bezüglich seiner Aussage in Inzell fällig. Aber so wie er sich mir gegenüber verhalten hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass er großen Bock haben wird, mich zu fragen“, sagte die fünfmalige Olympiasiegerin am Donnerstag im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Bouwman hatte der dpa seine Äußerungen bestätigt ohne konkrete Details zu benennen. Es gebe „mehrere Gründe“, warum er Pechstein nicht trainieren wolle. Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin hatte daher in Erwägung gezogen, für eine andere Nation zu starten. „Natürlich denkt man darüber nach, wenn man so schlecht behandelt wird. Es gibt wohl keinen anderen Verband weltweit, bei dem ich derzeit so wenig Wertschätzung genieße, wie bei der DESG. Das liegt eindeutig an den handelnden Personen“, kritisierte Pechstein.

Es habe aber auch andere Zeiten gegeben. „Ich bin bereits siebenmal für Deutschland bei Olympia gestartet. Darauf bin ich sehr stolz.“ Daher werde sie versuchen, sich „beim achten Mal unter der schwarz-rot-goldenen Flagge zu qualifizieren.“

Die Chance, mit der polnischen Auswahl zu trainieren, habe sie sich ganz allein organisiert. „Nachdem der Bundestrainer mir in Inzell zu verstehen gegeben hat, dass er „keinen Bock“ darauf hat, dass ich mittrainiere, blieb mir ja auch nichts anders übrig. Es ist in meinen Augen mehr als bedenklich, dass der deutsche Bundestrainer Langstrecke so eine Aussage macht“, erklärte Pechstein, die mit neun Olympia-Medaillen, 41 WM-Plaketten und 115 Podestplatzierungen im Weltcup in der Eisschnelllauf-Welt Maßstäbe gesetzt hat.

Pechstein ist gleich schneller als zuvor

Von den polnischen Sportlern sei sie gut aufgenommen worden, so dass die Umstellung kein Problem war. „Es ist ja nicht so, dass ich meinen Lebensmittelpunkt verlegen musste, um mit meinen neuen Teamkollegen zu trainieren. Bislang war ich erst drei Wochen zum Eistraining dort“, sagte sie. Ansonsten habe sie die gemeinsamen Trainingslager in Inzell, Heerenveen oder Font Romeu genutzt.

Das gute Miteinander zahlte sich schon mit Zeiten aus, die schneller waren als zum Start in den vergangenen Jahren. Die Tests hätten gezeigt, „dass ich in der Vorbereitung nicht viel falsch gemacht haben dürfte. Aber was meine Zeiten im internationalen Vergleich wert sind, werden wir erst in den ersten Weltcup-Rennen sehen“, ist sie noch ein wenig skeptisch. „Ich hoffe, dass ich die eine oder andere Top-Ten-Platzierung herauslaufen kann. Gelingt mir das, lebt auch mein Traum von Olympia 2022 in Peking automatisch weiter“, erläuterte die Hauptstädterin.

Ihre Rückenprobleme, die sie im vergangenen Winter zu Pausen zwangen, sind aber weiter akut. „Mein Rücken macht mir täglich Probleme. Mal mehr mal weniger. Es wäre von Vorteil, wenn mich sehr gute Physiotherapeuten während der Wettkämpfe begleiten würden. Aber das entscheidet die DESG“, meinte Pechstein, die sich mit vielen Siegen auf Inlinern im Sommer in eine Form brachte, die sie nun hoffen lässt, ihren Ruf als deutsche Rekordmeisterin mit 37 Titeln ausbauen zu können. Sie sei stolz auf ihre Leistungen in diesem Alter. „Normalerweise müsste ich bei jedem Rennen mit Abstand Letzte werden“, sagte sie. Jeder weitere Titel sei „eine schöne Zugabe.“ (dpa)

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