• Klara Bühl bei der Fußball-WM der Frauen 2019: Lieber WM-Finale statt Abiprüfung

Klara Bühl bei der Fußball-WM der Frauen 2019 : Lieber WM-Finale statt Abiprüfung

Die erst 18 Jahre alte Klara Bühl belebt das Spiel der Deutschen bei der WM in Frankreich. Weitere Einsätze für die Freiburgerin könnten folgen.

Die Spielerin Klara Bühl spricht während einer Pressekonferenz.
Die Spielerin Klara Bühl spricht während einer Pressekonferenz.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Kapitänin Alexandra Popp guckte Klara Bühl in die Augen und klatschte ihr mit beiden Händen auf die Wangen. Torhüterin Almuth Schult klopfte Bühl aufmunternd auf den Rücken. Die Vierte Offizielle streckte die Anzeigetafel in die Höhe. Eine grüne 19 leuchtete darauf, die Nummer wie auf dem Trikot von Bühl.

Dann lief Bühl auf den Rasen des Stadions in Valenciennes. Und die zweite Hälfte begann dann eben mit einem Teenager im Sturm der deutschen Nationalelf. Beim 1:0-Sieg gegen Spanien wechselte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg die erst 18 Jahre alte Bühl nach der Halbzeit ein.

Für Bühl waren es die ersten Spielminuten bei einer WM. Die Spielerin vom SC Freiburg überzeugte mit einer starken Leistung und sorgte für spielerische Höhepunkte, mit denen das deutsche Team beim Turnier in Frankreich bis dahin gegeizt hatte. „Ich habe versucht, mit Mut und Freude zu spielen und denke, das ist mir gelungen“, sagte Bühl. Es ist gut möglich, dass die Bundestrainerin beim abschließenden Vorrundenspiel gegen Südafrika am Montag (18 Uhr, live in der ARD) wieder auf die flinke Stürmerin setzt. Ein Punkt würde dem deutschen Team für den Gruppensieg reichen.

Bühl ist ein weiterer Beweis dafür, dass Voss-Tecklenburg mit ihrem Vertrauen in junge Spielerinnen bislang richtig liegt. Für einige Minuten standen im Schlüsselspiel gegen Spanien die drei Jüngsten im Kader sogar gemeinsam auf dem Platz. Die 17-jährige Lena Oberdorf verteilte im zentralen Mittelfeld die Bälle, die 19-jährige Giulia Gwinn musste als Allrounderin wieder auf mehreren Positionen aushelfen und Bühl wirbelte im Sturm.

Oberdorf und Gwinn zeigten solide Leistungen – hervor stach dieses Mal aber Bühl. Und die war nach dem Spiel überglücklich über das Vertrauen der Trainerin. „Die Euphorie nimmt man mit in die Spielminuten“, sagte sie, „ich habe die Minuten auf dem Feld genossen.“

Die Bundestrainerin lobt Bühls Zug zum Tor

Gegen Spanien machte Bühl erst ihr drittes Länderspiel. Die Nominierung für die WM war für sie eine Überraschung. Doch Voss-Tecklenburg ist überzeugt von Bühl. Im Trainingslager in Grassau begründete die Bundestrainerin Bühls Berufung: „Was sie auszeichnet, ist ihr Instinkt. Sie hat eine hohe Abschlussqualität, traut sich vieles zu und hat einen guten Zug zum Tor.“ Das konnte Bühl gegen Spanien auf Anhieb umsetzen.

Kaum zu halten. Klara Bühl (r.) brachte Schwung ins Spiel der deutschen Mannschaft gegen Spanien.
Kaum zu halten. Klara Bühl (r.) brachte Schwung ins Spiel der deutschen Mannschaft gegen Spanien.Foto: Yves Herman/Reuters

Oft wich sie auf die Flügel aus, ging ins Eins gegen Eins gegen die langsameren Verteidigerinnen und wagte schnell den Abschluss. „Sie hat sehr mutig gespielt“, lobte Innenverteidigerin Sara Doorsoun. „Klara ist frisch und ich weiß, wie es ist, gegen sie zu spielen. Ganz so langsam ist sie nicht.“

Ihre Schnelligkeit kam der Stürmerin auch schon vor dem Turnier zugute: bei ihrer Abiturprüfung. Kurz bevor sie ins abschließende Trainingslager reiste, machte Bühl die Sportprüfung. Als Disziplinen wählte sie Leichtathletik und – natürlich – Fußball. Bühl hat bestanden. Ihre mündliche Prüfung ist aber für Anfang Juli angesetzt. Genau wie das Finale der Weltmeisterschaft.

Was passiert, wenn Deutschland dann noch mit dabei ist? „Dann muss ich die Prüfung nachholen. Das muss halt dann geklärt werden“, sagt Bühl. Die Schule sei aber sehr entgegenkommend – die deutschen Fans werden es danken.

Nach der WM wartet noch eine weitere Prüfung auf Bühl: die Aufnahmeprüfung an der Universität. In Freiburg möchte sie gerne Grundschullehramt studieren – und nebenbei weiter in der Bundesliga spielen. Sie wohnt noch bei ihren Eltern und fährt nur 20 Minuten bis zum Trainingsplatz. „Zuhause kann man abschalten und sich ablenken“, sagt Bühl.

Wenn sie in Frankreich so weiter spielt wie gegen Spanien, wird sie irgendwann Angebote von Klubs bekommen, deren Fußballplätze weiter entfernt sind als 20 Minuten. Doch das liegt in der Zukunft. Mit Abitur, Aufnahmeprüfung und einer Fußball-Weltmeisterschaft ist Bühl erst einmal gut beschäftigt.

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