Sport : Klitschko trifft auf einen Straßenkämpfer

Hartmut Scherzer

Mannheim - Es war ein typisches Don- King-Ding. Ray Austin, der Amerikaner, und Sultan Ibragimow, der Russe, kämpften in einer Endausscheidung um das Recht, Wladimir Klitschko herauszufordern. Nach zwölf Runden endete der Kampf im Juli 2006 in Hollywood, Florida, unentschieden. Was tun? Das King-Management legte bei der IBF Protest ein, weil der Ringrichter einen Niederschlag nicht als solchen, sondern als Ausrutscher gewertet hatte.

In der Video-Aufzeichnung sei klar zu erkennen, argumentierten die King-Leute, dass Ibragimow in der siebenten Runde auf Schlagwirkung zu Boden ging – also ein Punkt Abzug für ihn. Die IBF gab King/Austin recht, änderte zwar nicht das Urteil, bestimmte aber den 36-jährigen Amerikaner zum nächsten Pflichtgegner ihres Schwergewichts- weltmeisters.

So steht dem IBF-Champion Wladimir Klitschko also am Samstag in der Mannheimer SAP-Arena (RTL, live 22.15 Uhr) in seinem 51. Kampf ein Gegner auf Augenhöhe gegenüber, aber nur was die Körpergröße, nicht die boxerische Klasse betrifft. Klitschko misst zwei Meter, Austin ist nur zwei Zentimeter kleiner. War es zuletzt ein distinguierter Banker (Calvin Brock), der ihm Titel und Gürtel – vergeblich – entreißen wollte, versucht es diesmal ein harter Bursche aus dem Ghetto. Er komme aus einer „rough neighbourhood“, einer gefährlichen Nachbarschaft in Cleveland, Ohio, erzählt Austin. Auf der Straße hat er seit seiner Jugend zehnmal mehr Schlägereien hinter sich als im Ring. Erst mit 27 Jahren, 1998, beschloss der „Streetfighter“, seine Fäuste als „Prizefighter“ einzusetzen, bisher 31 Mal (24 Siege, drei Niederlagen und vier Unentschieden).

Die Siege seiner Straßenkämpfe stehen in keiner Statistik. „Ich habe viel durchgemacht“, sagt Ray Austin. „Deshalb ist dieser Titelkampf der größte Erfolg in meinem Leben. Am Ende ist das Böse zum Guten geworden.“

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