Kolumne „Abgefahren“ : Der harte Weg bis zur „Festive-500“-Challenge

Fünfhundert Kilometer in acht Tagen. Zwischen den Jahren wollte unser Kolumnist die „Festive-500“-Challenge meistern. Über eine Tour mit Hindernissen.

Michael Wiedersich
Unser Autor fuhr über 500 Kilometer in fünf Tagen
Unser Autor fuhr über 500 Kilometer in fünf TagenFoto: Michael Wiedersich

500 Kilometer, acht Tage Zeit zwischen den Jahren und als Belohnung gibt es einen bunten Textilsticker: Mit der Teilnahme an der weltweiten „Festive-500“-Challenge wollte ich mich von Heiligabend bis Silvester selbst beschenken. Und obwohl ich diese Jahresend-Rallye auf dem Rad in der Vergangenheit mehrfach erfolgreich absolviert hatte, war der Weg diesmal kein leichter. Aber was macht man nicht alles für ein kleines Stoffabzeichen als Belohnung?

Einige Tage vor Beginn deutete sich an, dass das Kilometersammeln nicht sonderlich spaßig werden würde. Zunächst ganz langsam ergriff eine fiese Grippe Besitz von mir, schlug dann aber erbarmungslos zu. Das bekam auch der Schwiegersohn unserer Nachbarn zu spüren. Ich hatte dem Gast aus England für den Tag vor Weihnachten eine schöne Tour rund um die Havel vom Wannsee nach Potsdam, Kladow, Heerstraße und zurück zum Wannsee versprochen.

Nur noch fünf Tage für 500 Kilometer

Über 60 Kilometer wollten wir zusammen das ganze Sightseeing-Programm mit Glienicker Brücke, Schloss Cecilienhof, Sacrow, Mauer-Radweg und so weiter abfahren. Ein Mountainbike für ihn stand bereit, das Wetter präsentierte sich typisch englisch mit leichtem Nieselregen.

Doch am Morgen der Abfahrt kratzte mein Hals, lief die Nase und das Fieberthermometer zeigte eine erhöhte Körpertemperatur an. Die Tour musste schweren Herzens abgesagt werden. An den beiden Folgetagen war an Radfahren nicht zu denken. Die Jagd nach dem Belohnungsabzeichen hatte ich jedoch noch nicht aufgegeben. Täglich berechnete ich die Durchschnitts-Kilometer für die verbleibenden Tage bis Silvester. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Als es mir am Ende des zweiten Weihnachtsfeiertages besser ging, beschloss ich, die Sache doch noch in Angriff zu nehmen. Damit verstieß ich zwar gegen meine eigene Regel, nur Sport zu treiben, wenn man hundertprozentig gesund ist. Aber ich war ja schon fast gesund. Fünf Tage Zeit blieben noch für 500 Kilometer.

Leere Straßen in Brandenburg

Nicht nur meine Gesundheit, auch das Wetter zeigte sich leider nicht von seiner besten Seite. Okay, es ist schließlich Winter. Trotzdem kamen mir bei Temperaturen um den Gefrierpunkt leichte Zweifel ob der Sinnhaftigkeit meiner Bemühungen.

Trost im eisigen Gegenwind fand ich in Brandenburg erfreulich leere Straßen.

Der AC/DC-Song „It’s a long way to the top if you want the Rock’n Roll“ ging mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf und passte zu der ganzen Szenerie. Zusätzliche Motivation gab es nach den Weihnachtsfeiertagen durch die gepostete Tour eines Freundes. Dieser fuhr mit Gleichgesinnten in einem Rutsch von Flensburg quer durch Dänemark nach Skagen, über 530 Kilometer bei bis zu minus sechs Grad.

Mein Plan ging am Ende mit 513 gefahrenen Kilometern jedenfalls auf. Weltweit hatten sich fast 120.000 Teilnehmer für die „Festive500“ angemeldet, über 30.000 verdienten sich den Stoffsticker, der zum letzten Mal als Belohnung winkte.

Was bleibt, sind folgende Erkenntnisse: Nie wieder werde ich gegen meine eigenen Regeln verstoßen. Und ich verrate nicht mehr meine Pläne, sondern erzähle nur noch erfolgreiche Vollzugsgeschichten. Für ein kleines Stoffabzeichen an der Pinnwand könnte ich jedoch noch einmal eine Ausnahme machen…

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Michael Wiedersich ist Radsporttrainer und Sportjournalist. Alle zwei Wochen schreibt er in seiner Kolumne über neue Inspirationen.

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