Kolumne „Abgefahren“ : Mit den besten Wünschen

Unser Kolumnist ist auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken für die Kinder. Sein Präsent an sich selbst bleibt immer gleich: 500 Kilometer Radfahren!

Michael Wiedersich
Helle Freude im Hause Wiedersich: An Weihnachten gibts alte Fahrradschläuche für die Kinder.
Helle Freude im Hause Wiedersich: An Weihnachten gibts alte Fahrradschläuche für die Kinder.Foto: Imago

Dass bald Weihnachten ist, merke ich alljährlich spätestens zwei Wochen vor Heiligabend. Die Fragen nach einem passenden Geschenk für die rennradelnden Söhne, Töchter und Liebsten häufen sich. Je nach Geldbeutel und Vorlieben gibt es individuelle Vorschläge von mir. Soll es vielleicht spezielle Radsport-Bekleidung sein? Ein Multifunktionswerkzeug? Ein Buch? Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Dinge, denen man eine Radsport-Affinität ansieht, deren Einsatzgebiet jedoch nur entfernt etwas mit Radfahren zu tun hat. Ein Pizzaschneider in Form eines Fahrrades zum Beispiel oder ein Flaschenöffner aus einer Fahrradkette. Aus alten Reifen, Schläuchen und Rahmenteilen werden inzwischen viele nette Alltags-Accessoires gefertigt und angeboten. Mein Lieblingsgeschenk ist ein Gürtel, gefertigt aus einem gebrauchten Fahrradmantel.

Ich persönlich beschenke mich gerne selbst und zwar mit Zeit. Diese nehme ich mir für eine kleine sportliche Jahresend-Herausforderung. Zwischen den Jahren versuche ich an acht Tagen 500 Kilometer Rad zu fahren. Das sind im Schnitt gerade einmal sozialkompatible 62,5 Kilometer pro Tag und lässt theoretisch sogar noch Raum für Familienfeste aller Art. Die Idee dazu stammt nicht von mir. Der ehemalige Chef-Designer einer Radbekleidungsfirma hat sich das vor zehn Jahren ausgedacht. Das Prinzip ist ganz einfach. Es zählt jede Radfahrt, die mit einem GPS-fähigen Radcomputer aufgezeichnet und auf einer speziellen Seite hochgeladen wird. Im letzten Jahr haben weltweit fast 100 000 Teilnehmer bei der „Festive 500“ mitgemacht, ein Viertel davon schafften die Aufgabe. Und das Beste, eine fürstliche Belohnung gibt es auch dafür: Ein kleines Stoffabzeichen für die Pinnwand, wenn das kein Ansporn ist?

Scheitern gehört bei diesem Sport-Projekt leider dazu. Vor drei Jahren absolvierte ich nur die Hälfte der Kilometer. Schlechtes Wetter und Reifenschäden verhinderte ein Erfolgserlebnis und die Belohnung für den Trophäenschrank. Sollte das in diesem Jahr bei uns mal wieder passieren, habe ich vorgebaut und mir bereits ein anderes Geschenk bereitgelegt. Ich lese dann den Radsport-Klassiker „Das Rennen“ von Tim Krabbe und lasse mir dafür acht Tage Zeit.

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