Kolumne „Abgefahren“ : Wenn den Hobbyradler die Grippe flach legt

Unser Kolumnist hat sich eine fiese Grippe eingefangen und kann nun nicht mehr radeln. Um wieder gesund zu werden, greift er zu ungewöhnlichen Maßnahmen.

Michael Wiedersich
Wer krank ist gehört ins Bett und nicht an die Waschmaschine.
Wer krank ist gehört ins Bett und nicht an die Waschmaschine.Foto: dpa

Alles hätte so schön sein können. Nach einer Woche Radfahren in südlichen Gefilden war der Plan, das Rad für ein paar Tage in die Ecke zu stellen. Einfach mal dem aktiven Nichtstun frönen und nur Mensch sein. Aber es kam ganz anders. Denn ich wurde, kaum in Tegel gelandet, krank. Ein fieser grippaler Infekt hatte Besitz von mir ergriffen. Die, wie ich vermute, milde Form einer japanischen Killer-Grippe schlug mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen erbarmungslos zu. Selbst an leichte Bewegung war nicht zu denken, da bin ich konsequent und folge dem Rat, den mir mal ein erfahrener Arzt gegeben hat: Keinen Sport und ausruhen.

Erkältung bei Radsportlern ist ohnehin so eine Sache für sich. Wer bei Wind und Wetter auf dem Rad an der frischen Luft unterwegs ist, sollte abgehärtet sein. Da dürfte sich der Körper immuntechnisch von Lappalien wie einem Erkältungsvirus nicht aus der Ruhe bringen lassen. Leider ist das nicht der Fall. Gerade wenn mal wieder eine Grippewelle durchs Land huscht, erwischt es auch den wetterfestesten Outdoor-Radler. Zum Ende der Radsaison mag eine Erkältung kein großes Problem sein. Es wird einfach Tee getrunken und abgewartet. Droht einem als ambitionierter Rennfahrer aber kurz vor dem Radsport-Highlight des Jahres Schnupfen, Halsschmerzen und Husten, ist die gute Laune schnell weg. Hört man dann den einen oder anderen über „seine“ Grippe reden, beschleicht einem das Gefühl, sie haben eine Diagnose für eine unheilbare Krankheit bekommen.

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Meinen Schützlingen rate ich in solchen Fällen, die Ruhe zu bewahren und körperliche Anstrengungen möglichst zu minimieren. Wer nicht gerade als Radprofi sein Geld verdient, hat keinen Grund, seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Denn es können schlimmstenfalls sogar Entzündungen des Herzmuskels drohen, das will ja keiner. Das Immunsystem ist ohnehin genug mit der Bekämpfung des Virus beschäftigt. Training oder gar Rennen strapazieren den geschundenen Körper nur zusätzlich. Und in der Regel bietet die Saison auch andere lohnende Ziele.

Training oder gar Rennen strapazieren einen erkälteten Radsportler nur zusätzlich

Als ich früher noch selbst Radrennen gefahren bin, war meine Einstellung dazu ehrlicherweise etwas anders. Ein Schnupfen kurz vor dem Start? Na und, wird schon irgendwie laufen. Meist ging das nach hinten los. Statt vorne im Peloton um Ruhm und Ehre zu strampeln, fand ich mich nach der Hälfte des Rennens abgehängt und später hustend am Straßenrand wieder.

Für mich als gutes Vorbild war also Ruhe angesagt. Die Kulturbeauftragte, die mich in solchen Fällen mit allerhand Hausmittel unterstützt, weilte noch auf Rügen im Familienurlaub. Ich musste mich allein gesund pflegen. Dabei entdeckte ich viele verloren geglaubte Fertigkeiten wieder. Das verletzungsfreie Schälen von Ingwer und das richtige Dosieren von losem Salbei-Tee sind nur zwei Beispiele. Und damit mir nicht allzu langweilig wurde startete ich einen Wäschewasch-Marathon.

Spätestens hier jedoch merkte ich, wie schlecht es mir eigentlich ging. Denn normalerweise bin ich ein echter Waschprofi, besonders wenn es um die empfindlichen Radsport-Klamotten geht. Mit etwas Stolz hatte ich bereits drei Maschinen fertig auf Wäscheständer verteilt. Vor der vierten fiel es mir auf: Ich hatte immer Geschirrspülreiniger statt Waschmittel verwendet.

Ohne Radfahren bin ich offenbar doch nur ein halber Mensch.

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