Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“ : Bayern, wir haben ein Problem

Beim 2:2 der Münchner Fußballer in Augsburg hat Bayerns Coach Niko Kovac "ein gutes Spiel" seiner Elf gesehen. Unser Kolumnist ist da anderer Meinung.

Frank Lüdecke
Bitter. Gegen Augsburg kassieren Robert Lewandowski und die Bayern den späten 2:2-Ausgleich.
Bitter. Gegen Augsburg kassieren Robert Lewandowski und die Bayern den späten 2:2-Ausgleich.Foto: Christof Stache/AFP

Was für ein Wochenende für den Berliner Bundesliga-Fußball! Hertha bringt Zählbares aus Bremen mit! Das ist gefühlt seit dem frühen Mittelalter nicht mehr vorgekommen. Und Union gewinnt sogar sein zweites Spiel in der Jetzt-Zeit! Die Berliner Vereine haben sich ihrer Mini-Krisen sportlich entledigt und können ein wenig entspannter in die Zukunft schauen. Hertha liegt nur fünf Punkte hinter dem Tabellenführer und Union hat derzeit ein kleines Polster auf die Abstiegsränge.

Nein, Sorgen müssen wir uns woanders machen. Was ist in München los?! Trainer Niko Kovac hat ein „gutes Spiel“ gesehen. Ein 2:2 gegen Augsburg? Das will der Trainer von Bayern München als ein gutes Spiel gewertet wissen?

Normalerweise wird da am Marienplatz die blau-weiße Flagge auf Halbmast gesetzt. Also entweder haben sich in Bayern die Maßstäbe verschoben, oder Nico Kovac leidet unter einer diffusen Wahrnehmungsstörung. Von acht Spielen haben die Bayern nur vier gewonnen! Da kann sich auch schon mal die bayerische Staatskanzlei einschalten.

Oder hat sie etwa schon? Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß sind ja zwei Fußballfunktionäre, denen man attestieren darf, dass sprachliche Zurückhaltung nicht zu ihren Kernkompetenzen zählt. Nach dem Spiel hatte der eine aber für Fragen „keine Zeit“, der andere schon, aber nichts zu sagen. Wenn diese beiden rhetorische Anfälle erleiden, was in Krisensituationen zur bayerischen Folklore gehört, dann kann das mitunter recht unappetitlich werden. Wenn sie aber schweigen – o jee.

Schmerzhafter Moment. Für Süle (liegend), der sich das Kreuzband gerissen hat, den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft.
Schmerzhafter Moment. Für Süle (liegend), der sich das Kreuzband gerissen hat, den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft.Foto: Matthias Balk/dpa

Jeder kennt dieses Phänomen aus seinem sozialen Umfeld. Wenn impulsive, cholerische Menschen impulsiv und cholerisch werden, ist eigentlich alles noch im grünen Bereich. Sorgen muss man sich machen, wenn sie sich Mäßigung auferlegen und alles unterdrücken.

Zu allem Unglück hat sich nun auch noch Abwehrchef Niklas Süle schwer verletzt und fällt auf lange und unbestimmte Zeit aus. Nun ist man wieder auf Jerome Boateng angewiesen. Einen Spieler, dem der Bayern-Präsident vor ein paar Monaten in seiner unnachahmlichen und dezenten Art empfohlen hatte, den Verein zu verlassen, weil er „wie ein Fremdkörper“ wirke.

Nun ist der Trainer plötzlich auf diesen Fremdkörper angewiesen und muss ihm deutlich machen, dass der Präsident das damals irgendwie anders gemeint hat. Keine leichte Aufgabe. Und dann trifft Bayern im nächsten Heimspiel ausgerechnet auch noch auf Union, das seine kleine Siegesserie aus einem gewonnen Spiel fortsetzen möchten. Da kommt aber auch alles zusammen, für die Bayern.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke ist Chef der „Stachelschweine“ und schreibt immer montags über die Bundesliga.

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