• Kolumne "Auslaufen mit Lüdecke": Die spektakulärste Saison in der Geschichte von Hertha BSC

Kolumne "Auslaufen mit Lüdecke" : Die spektakulärste Saison in der Geschichte von Hertha BSC

Hertha BSC, der "langweiligste Hauptstadtklub der Welt"? Hat das tatsächlich jemand gesagt? Da muss sich unser Kolumnist das Lachen fast verkneifen.

Frank Lüdecke
Hahohollywood. Unser Kolumnist hätte eine Idee, wer Hertha-Manager Michael Preetz in der neuen Netflix-Folge spielen könnte.
Hahohollywood. Unser Kolumnist hätte eine Idee, wer Hertha-Manager Michael Preetz in der neuen Netflix-Folge spielen könnte.Foto: dpa

Mein Vorgänger als Autor dieser Glosse, Marcel Reif, seines Zeichens jetzt „Bild“-Kommentator, verstieg sich vor ein paar Tagen zu der Aussage, Hertha BSC sei der „langweiligste und unerheblichste Haupstadtklub der Welt“. Das ist eine imposante und stolze Auszeichnung. Aber ist sie gerechtfertigt? Mitnichten! Unerheblich? Ja, geschenkt. Aber langweilig? Wo und in welcher Situation, Herr Reif, war mein Klub in den vergangenen Monaten auch nur eine Sekunde langweilig?! Diese Saison gehört zweifelsfrei zum Spektakulärsten, was die Geschichte dieses Vereins zu bieten hat.

Die spannendste Saison der Vereinsgeschichte

Was wäre da nicht alles auf der Habenseite! Das höchste Finanzinvestment in der Geschichte der Bundesliga! Zwei Trainerentlassungen! Die sensationelle Verpflichtung eines berühmten deutsch-amerikanischen Motivationstrainers! Sein ebenso sensationeller Abgang in Rekordzeit! Per Facebook! Geheime Tagebücher, die sich auch noch als echt herausstellen! Die Entlassung eines Torwarttrainers und seine sofortige Wiedereinstellung! Die Spieler-Suspendierung vom Training und die sofortige Aufhebung dieser Maßnahme! Heimspiele ohne einen Schuss auf das gegnerische Tor! Niederlagen mit fünf Toren Unterschied! Zu Hause! Ein Drei-Tore-Rückstand zur Pause, der aufgeholt wurde! Auswärts!

Die Brandrede eines Torwarts, der nach Einschätzung seines Ex-Trainers „keinen Mehrwert“ besitzt. Ein Trainer, der auf der Pressekonferenz den Namen seines bestens Stürmers (Piatek) falsch ausspricht! Eine bundesweite mediale Schlammschlacht sondersgleichen, die von Lügenkultur, Provinzialismus und ich weiß nicht was spricht. Wann hat es denn so was je gegeben? Über so ein Material wären sie aber froh, bei „Netflix“. Jede Wette, die haben da schon was in der Schublade. Die erste Staffel von „The Club“. Mit Brad Pitt und Robert de Niro als Michael Preetz und Werner Gegenbauer.

Jede Woche eine neue Folge

Ich finde wirklich, dass Marcel Reif seine Worte sehr leichtfertig gewählt hat. Meinem Klub in dieser Situation Langeweile zu unterstellen, grenzt an Beleidigung. Was bilden sich diese Leute ein? Wir treten hier gewissenhaft das Erbe des HSV an! Ja, gut. Wir haben die Spielerverträge noch nicht in einem Rucksack auf dem Tempelhofer Feld liegen gelassen. Aber die Saison ist ja auch noch nicht zu Ende. Da kommt schon noch was. Keine Sorge! Wir wissen nämlich längst, dass dieser Sport mehr ist als ein Spiel mit 22 Akteuren. Fußball ist Entertainment geworden. Und in der Kategorie „Unterhaltung“ findet man derzeit nichts Besseres als Berlin. Und zwar weltweit!

Der Kabarettist Frank Lüdecke schreibt montags über die Fußball-Bundesliga. Vom 5. - 8. März hat sein neues Programm, „Das Falsche muss nicht immer richtig sein“ in den „Wühlmäusen“ Premiere.

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