• Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“: Hertha BSC fliegt – in Richtung Zweite Liga

Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“ : Hertha BSC fliegt – in Richtung Zweite Liga

Nach dem Pokalspiel gegen Schalke geht es richtig los, dachte unser Kolumnist. Ging es dann auch. Aber in die falsche Richtung. Jetzt plagen ihn Abstiegssorgen.

Frank Lüdecke
Eine zu hohe Aufgabe: Im Heimspiel gegen Mainz gab es für Hertha BSC nichts zu holen.
Eine zu hohe Aufgabe: Im Heimspiel gegen Mainz gab es für Hertha BSC nichts zu holen.Foto: Andreas Gora/dpa

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke ist Chef der „Stachelschweine“ und schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

Die beste Berliner Fußballmannschaft hat schon wieder gewonnen! Gerade erst erreichte sie das Viertelfinale im DFB-Pokal und nun bezwang sie Werder Bremen. Sie steht nur noch neun Punkte hinter den internationalen Plätzen. Tolle Leistung und mal ein Kompliment von dieser Stelle! Dieser Zuspruch fällt mir insofern nicht so ganz leicht, weil ich ein glühender Anhänger des zweitbesten Berliner Klubs bin. Den Underdogs aus Westend.

Bei Hertha BSC ist der Wurm drin

Der Trainer hat meiner Mannschaft gerade zwei Tage frei gegeben. Es ist alles zu viel geworden. Die ganze körperliche Anstrengung, das harte Training, die Niederlagen – hier musste ein Zeichen gesetzt werden. Die Köpfe müssen wieder frei werden. Obwohl es ja eigentlich auch gar nicht so schlecht ist, wenn irgendwas drin ist, in den Köpfen.

Aber egal. In den letzten Heimspielen gegen Schalke, Bayern München und Borussia Mönchengladbach schoss meine Mannschaft nicht ein einziges Mal auf das gegnerische Tor. Das ist insgesamt recht wenig. Im Heimspiel gegen Mainz gelang zumindest ein Treffer. Aber den musste der Kontrahent erzielen. Irgendwie ist der Wurm drin. Das ist schade, weil es doch im Pokal gegen Schalke ein tolles Spiel gab und man dachte, jetzt geht es richtig los. Es ging auch was los, aber in die falsche Richtung.

Nach dem Spiel vom Sonnabend bin ich der Ansicht, meine Mannschaft sollte nur noch ein Ziel haben: Nicht absteigen! Das ist nicht als kleine Pointe gedacht. Ich erinnere mich noch gut an die Saison 2011/12, als Berlin nachhaltig unter Beweis stellte, dass man doch fliegen kann.

Am Boden: Maximilian Mittelstädt hat mit Hertha BSC schon bessere Zeiten erlebt.
Am Boden: Maximilian Mittelstädt hat mit Hertha BSC schon bessere Zeiten erlebt.Foto: Andreas Gora/dpa

Nämlich direkt in die Zweite Liga. Und das mit Spielern wie Raffael und Adrian Ramos. Und diesmal haben wir nicht mal Spieler wie Raffael. Das offensive Mittelfeld ist inzwischen von einer unterentwickelten Zone zum schwarzen Loch mutiert. Hier findet nichts statt.

[Mehr zu Hertha BSC lesen Sie auch hier in unserem Hertha-Blog.]

Vor dem Spiel gegen Mainz wurde ein interessantes Detail aus dem Vertrag des neu verpflichteten französischen U-21-Nationalspielers Lucas Tousart bekannt. Der Vertrag gilt angeblich nur, wenn Hertha die Liga hält! Ooouh. Sollte das stimmen, hat Hertha einen Spieler verpflichtet, der definitiv was im Kopf hat.

Ich mache jetzt einen Vorschlag: Wir meckern nicht mehr über die krampfhaften Offensivbemühungen. Wir stellen uns ab sofort nur noch hinten rein. Ansonsten knüppeln wir die Bälle über das fehlende Mittelfeld nach vorne und hoffen da auf unsere schnellen Leute. Ich wünsche mir sehr, dass Lucas Tousart nächste Saison im Dress meiner Mannschaft spielt.

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