Kolumne: Auslaufen mit Lüdecke : Der Wochenendbesuch des Uli Hoeneß

Hertha BSC freut sich über ein 3:3, während es beim FC Bayern gewaltig kracht. Unser Kolumnist findet: Niko Kovac trifft keine Schuld.

Frank Lüdecke
Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, hat derzeit keinen Grund zur Freude.
Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, hat derzeit keinen Grund zur Freude.Foto: Swen Pförtner/dpa

Das, was wir Zuschauer uns in einem Fußballspiel wünschen, sind Tore. Insofern ist ein 3:3-Unentschieden ein wunderbares Ergebnis, ein echtes Spektakel. Nur die Trainer meckern immer. Wegen des Abwehrverhaltens. Aber wenn Hertha nach einem 1:3-Rückstand gegen Hoffenheim noch ausgleicht, muss man sagen: Chapeau! Hatten wir uns diese Form spektakulären Fußballs nicht immer gewünscht?

Anders verhält sich die Sache mit dem 3:3 in München. Der Rekordmeister verspielt gegen den Tabellenvorletzten einen Zwei-Tore-Vorsprung – zu Hause. Zwar auch ein Spektakel. Aber hier ist die Wahrnehmung ein wenig anders. Es besteht „Gesprächsbedarf“. Ich bin mir sicher, dass während des Spiels im Körper des hypertonischen Uli Hoeneß allerhand gravierende chemische Prozesse vonstatten gingen, die der Zukunft von Trainer Niko Kovac insgesamt nicht zuträglich sein werden. So etwas kann nicht sein. Kovac bekam immerhin eine Jobgarantie. Bis Dienstag. Das sind, wenn ich richtig rechne, drei Tage. Drei Tage sind im schnelllebigen Fußballgeschäft allerdings auch keine sehr lange Frist. Aber sie muss ja nicht eingehalten werden. Hoeneß sagte, er bekäme am Wochenende Besuch. Wahrscheinlich will er den Sonntag nicht mit lästigen Personalentscheidungen verbringen, sondern mit den Enkelkindern.

Nach Informationen einer großen Boulevardzeitung hätten sich viele Spieler bereits in der Kabine gegen den Trainer ausgesprochen. Sollte das stimmen, glaube ich nicht an eine Titelverteidigung des FC Bayern. In Krisensituationen die Fehler bei anderen zu suchen, ist immer ein Nachweis schwacher Persönlichkeit. Die Art und Weise, wie Bayern München aufgrund individueller Fehler verteidigt hat, ist nicht unbedingt dem Trainer anzukreiden. Es könnte auch sein, dass dieses Team, das über Jahre die Liga nach Belieben dominierte, nun allmählich seinen Zenit überschritten hat. So wie beispielsweise Jerome Boateng. Der mich derzeit weniger an Fußball erinnert, sondern an Physiotherapie. Das wirft übrigens auch noch mal einen ganz anderen Blick auf die Fußballweltmeisterschaft, wo ja viele der Bayernspieler involviert waren. Und zwar nicht nur im Hinblick auf ihre sportliche Leistungsfähigkeit, sondern auch in Bezug auf ihren Charakter.

Die drei wichtigsten Fragen lauten jetzt: Was macht eigentlich Ottmar Hitzfeld? War er vielleicht zu Besuch? Bei den Enkelkindern von Uli Hoeneß?

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga

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