Kolumne Fußball spielen : Saisonziele wie der BVB

Wenn das Ziel Meisterschaft in weite Ferne rückt, muss gehandelt werden. Entweder der Trainer geht – oder es gibt eine neue Ausrüstung.

Noch Fragen? Marco Reus beim Torjubel – nun ist die Meisterschaft wieder möglich.
Noch Fragen? Marco Reus beim Torjubel – nun ist die Meisterschaft wieder möglich.Foto: Guido Kirchner/dpa

Meiner Mannschaft geht es derzeit wie der von Borussia Dortmund. Die Saison läuft – und wir der Musik hinterher. Unser Saisonziel, so hat es der Coach intern kommuniziert, ist die Meisterschaft. Damit enden die Parallelen zum BVB allerdings. Nach sechs Spielen in der Kreisliga B (von denen ich vier arbeits-, urlaubs-, freizeit- oder anderweitig bedingt verpasst habe) haben wir sieben Punkte gesammelt, Tordifferenz minus acht. Der Erste hat 18 Punkte, Tordifferenz plus 24.

Mit Mentalitätsscheiße braucht uns aber niemand kommen. Wir wollen immer gewinnen! Manchmal verlieren wir halt. Egal. Saisonziele sind wie Vorhaben im Neuen Jahr: Wenn die Vorsätze früh scheitern, setzt man sich halt neue. Und neue Ziele erfordern neue Motivation. Unsere Vereinsführung weiß das und hat uns prompt mit frischen Sporttaschen versorgt. Nichts lieben Amateurkicker mehr als neues Equipment.

Unsere Sporttasche ist ein echter Europapokalrollkoffer und schaut so aus, als könnte ihn auch Robert Lewandowski durch die Flughafenhallen in London, Belgrad oder Athen hinter sich herziehen. Die Designer haben explizit auf ein bisschen Bayernrot zwischen viel Grau und Schwarz geachtet. Mia san mia und trinken wie die Bayern Bier. Auch die Sechzig-Fans im Team. Damit enden die Parallelen zum FCB allerdings. Unser Koffer kommt von Kipsta. Kipsta ist in Fußballerkreisen so populär wie Nulltarifbrillen von Fielmann bei Pubertierenden.

Wie eine Harley

Wir mussten trotzdem einen Zehner für unseren Kipsta-Europapokalrollkoffer blechen. (Spieler, die schon länger als drei Jahre im Verein sind, kamen kostenlos davon #Treuebonus).

Unser Europapokalrollkoffer hat einen unhandlichen (aber ausfahrbaren) Plastikgriff, einen roten Majuskel-KIPSTA-Schriftzug – damit auch ja alle Bescheid wissen – und schwarze Plastikrollen, die beim Ziehen des Koffers so klingen, als wäre der Motor einer Harley verbaut.

Das erste Rollkofferspiel verloren wir 0:6. Es spricht für unsere Mentalität, dass nach dem Abpfiff direkt über weitere Motivationshilfen diskutiert wurde. Wir haben schließlich Ziele. Ergebnis: Neue Trikots müssen her! Dann könnte auch die Meisterschaft wieder ein Thema werden.

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