Kolumne „Losgelaufen“ : Die Wurzel eines Läufers

Damit 2020 noch zum Laufjahr wird für unsere Kolumnistin, widmet sie sich ihren Fersenproblemen. Ein ganzes Universum tat sich vor ihr auf.

Jeannette Hagen
Allen auf den Fersen.
Allen auf den Fersen.Imago

Jeannette Hagen ist freie Autorin in Berlin, Sportlehrerin und Läuferin. Hier schreibt sie im Wechsel mit Radsporttrainer Michael Wiedersich.

Eigentlich sollte 2020 mein Laufjahr werden. So jedenfalls hatte ich mir das vorgenommen. Aber wie heißt es so schön in einem Song: „Während ihr Pläne macht, lachen die Götter sich krumm.“ Nachdem nun Corona alle Lauf-Events, für die ich mich angemeldet hatte, einkassiert hat, hieß es erst einmal, sich selbst Ziele zu stecken, damit die Motivation und das Fitness-Level nicht den Bach runtergehen. Habe ich gemacht, am vergangenen Sonntag stand der erste Halbmarathon auf dem Plan, sogar mit Startnummer, gedacht als Ersatz für den ausgefallenen Rennsteigmarathon.

Ich war gut vorbereitet, habe mich gefreut und dabei den Schmerz in der rechten Ferse, der mich schon seit ein paar Monaten immer mal wieder begleitet hat, ignoriert. Eigentlich nicht meine Art, normalerweise nehme ich Symptome ernst. Aber diesmal war ich stur.

Leider zu stur, wie sich herausstellen sollte, denn aus einem leichten Ziehen, das ich irgendwie noch wegschieben konnte, wurde recht schnell ein stechender Schmerz und am Ende eine Entzündung, die sich einfach nicht mehr wegdiskutieren ließ. Das war es dann nicht nur mit meinem Halbmarathon, sondern generell mit dem Laufen für die nächsten Wochen.

Die Ferse ist die „Achillesferse“ vieler Läufer und Läuferinnen. Kein Wunder, schließlich belasten wir sie ja auch über das normale Maß hinaus, besonders wenn man Rückfußläufer ist, also beim Laufen oder Gehen als erstes die Ferse oder den hinteren Mittelfuß auf den Boden aufsetzt.

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Unabhängig davon ist in Deutschland nach Schätzungen jeder Zehnte von Fersenproblemen betroffen. Die können ganz unterschiedlicher Natur sein und reichen von Problemen mit der Achillessehne, über den berüchtigten Fersensporn bis hin zu einer Sehnenplattenentzündung der Fußsohle. Taucht man erst einmal ein in das Thema „Ferse“ tut sich ein ganzes Universum auf. Gemessen daran widmen wir diesem Körperteil in der Regel herzlich wenig Aufmerksamkeit.

Carsten Stark, der sich selbst Fußkartograph nennt, denkt da anders. Für ihn ist der Ferse „Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens“: „Wie die Wurzel eines Baumes, so ist die Ferse für uns Menschen auch eine Art Wurzel. Darum bezeichnen wir sie nicht umsonst auch als Fußwurzel“, schreibt er in seinem „Buch für die Ferse“.

[Carsten Stark: „Das Buch für die Ferse – Ganzheitliche Hilfe für Ferse, Fersensporn und Achillessehne“. Südwest Verlag 2020, ISBN: 978-3-517-09864-7]

Das leuchtet ein und wenn ich mir so anschaue, welche Faktoren zu Fersenproblemen führen können, dann wird mir schnell klar, dass es nicht nur die Schmerzen waren, die ich ignoriert habe, sondern dass es eine Reihe von Einflussgrößen gibt, die ich mir anschauen muss, wenn ich zukünftig schmerzfrei laufen will.

Leider spielt mir das Alter nicht in die Karten, denn das schwächelnde Bindegewebe und die schwindende Fettschicht unter der Sohle lassen sich auf natürlichem Wege nicht wieder verjüngen. Aber es gibt ein paar andere Ansatzpunkte, die für mich relevant sind. Allerdings erst, wenn die Entzündungssymptome abgeklungen sind.

Und so wird 2020 vielleicht doch noch mein Laufjahr. Allerdings auf eine ganz andere Art, als ich mir das vorgenommen habe. Ich werde neu mit dem Laufen beginnen. Werde endlich mal ein Techniktraining absolvieren, werde durch ein Aufbautraining die Muskulatur kräftigen, die immer zu kurz kommt, und damit jene entlasten, die zu viel arbeitet. Insgesamt ein guter Plan.

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