Kolumne "Losgelaufen" : Wer abnehmen will, muss dranbleiben

Viele Menschen fangen mit dem Laufen an, weil sie abnehmen wollen. Doch unsere Kolumnistin weiß, dass die Rechnung so einfach nicht aufgeht.

Jeannette Hagen
Laufen macht Spaß, aber nicht automatisch schlank.
Laufen macht Spaß, aber nicht automatisch schlank.Foto: dpa

Jeannette Hagen ist freie Autorin in Berlin, Sportlehrerin und Läuferin. Hier schreibt sie im Wechsel mit Radsporttrainer Michael Wiedersich.

Der Frühling kündigt sich unübersehbar an und mit ihm kommt bei vielen der Wunsch auf, die überflüssigen Winterpfunde wieder loszuwerden. Also ab in die Laufschuhe, denn Laufen macht doch schlank, oder?

So einfach ist es leider nicht, denn das, was Sie zum Beispiel bei einer halbstündigen Joggingrunde mit gemäßigtem Tempo an Kalorien verbrennen, entspricht ungefähr einem Schokoriegel. Das ist nicht viel, bedenkt man, dass die meisten sich nach dem Sport gern mit einer Zwischenmahlzeit belohnen – schließlich hat man sich das ja verdient. Dazu kommt, dass durch das Joggen mit Übergewicht die Sehnen, Bänder und Gelenke schnell überlastet werden, was zu Schmerzen und Schäden und letztendlich zum Abbruch der Ambition führen kann. Heißt unterm Strich: Wer Laufen will, um abzunehmen, sollte das lieber nicht planlos angehen.

Nimm weniger Kalorien zu dir, als dein Körper benötigt

Besser ist es, zunächst einmal ein paar Kilos durch eine Ernährungsumstellung zu reduzieren, denn der Schlüssel zu purzelnden Pfunden heißt: Nimm weniger Kalorien zu dir, als dein Körper benötigt. Wie viel man braucht, lässt sich leicht errechnen. Die Faustformel für den Grundumsatz (in Ruhe) lautet: eine Kilokalorie pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde.

Entsprechend seiner Tätigkeiten können noch ein paar Prozente dazugerechnet werden. Je nachdem, ob man überwiegend sitzt oder körperlich schwer arbeitet, schwankt dieser Wert zwischen zehn und 100 Prozent. Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass die meisten Mitteleuropäer im Alltag mehr Kalorien zu sich nehmen als nötig, und dass Sie diese Diskrepanz allein durch Laufen sicher nicht beseitigen.

Was es braucht, ist eine Kombination aus einem guten Training und einer kalorienreduzierten Ernährung. Training bedeutet in dem Fall, dass Sie nicht nur lange und langsame Läufe absolvieren, sondern hin und wieder auch anspruchsvolle Tempoeinheiten einbauen, da bei diesen Läufen insgesamt mehr Kalorien verbrannt werden. Zusätzlich zu den Laufeinheiten macht ein leichtes Krafttraining Sinn, denn Muskeln verbrennen auch im Ruhezustand deutlich mehr Energie, als die kleinen Fettpölsterchen, sodass sich insgesamt der Grundumsatz erhöht.

Der Stoffwechsel verhält sich wie ein Tanker im Ozean

Am wichtigsten ist es aber dranzubleiben, denn unser Stoffwechsel verhält sich ein bisschen wie ein riesiger Tanker im Ozean. Es dauert ein bisschen, bis er seine Richtung ändert, beziehungsweise gestoppt oder beschleunigt werden kann. Und so zeigen sich auch die Erfolge nicht nach einer Woche. Manchmal ist es sogar so, dass man zunächst ein bisschen zunimmt, weil die Muskeln, wenn man sie überlastet, Wasser einlagern, sie sich insgesamt auch schneller aufbauen, als das Fett verbrannt wird und eben auch schwerer sind als Fett.

Wenn man aber erst einmal auf dem richtigen Kurs ist und neben dem Lauftraining auch im Alltag darauf achtet, kleine zusätzliche Bewegungseinheiten zu integrieren, sei es nun die Treppe oder das Fahrrad, dann steht einem guten Frühlingskörpergefühl nichts im Weg.

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