Kolumne Meine Paralympics : Komm schon, Japan! Nicht wegschauen!

Die Paralympics 2020 in Japan stehen quasi vor der Tür. Und mit ihnen viele Rollstuhlfahrer, für die es nicht genügend behindertengerechte Unterkünfte gibt.

Auslöser für die Recherche des „Guardian“ waren Probleme des britischen Teams, barrierefreie Zimmer zu finden.
Auslöser für die Recherche des „Guardian“ waren Probleme des britischen Teams, barrierefreie Zimmer zu finden.Foto: Imago

Eines ist bei Paralympischen Spielen immer gleich: Wenn sie erstmal laufen, sind alle Anwesenden im Rausch der Emotionen, und der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees proklamiert, dass dies die besten Spiele aller Zeiten seien – und die Probleme im Vorfeld sind vergessen.

Manchmal werden diese durch Medien unverhältnismäßig hochgespielt. Wie die angeblichen Rudel streunender Hunde oder die massenhaft nicht funktionierenden Aufzüge vor Sotschi 2014. Oder trübes Poolwasser vor den Paralympics von Brasilien 2016. Das, was nun japanische Behindertenexperten und der „Guardian“ thematisieren, lässt mich aktuell aufhorchen. Offenbar fehlen für die Sommerspiele in Japan 2020 noch hunderte behindertengerechte Hotelzimmer. Das alleine verwundert diejenigen nicht, die je schöne Hotels suchten, in denen sich Rollstuhlfahrerzimmer nicht in der letzten Ecke nahe den Müllcontainern befinden.

Dass ausgerechnet in Japan Hotelinhaber Extrazahlungen für den barrierefreien Ausbau von Zimmern haben wollen – und auch gleich für den Rückbau – macht sprachlos. Bei den Spielen 2020 stehen neben den Athleten viele Unternehmen am Start; der hightechfokussierte Markt hofft auf Absatzchancen für Produkte im Umfeld der vor Milliarden Menschen präsentierten computergesteuerten Prothesen, Orthesen, Rollstühle – Stichwort Mensch-Maschine.

Der Mensch ist aber keine Maschine. Und Menschen mit Behinderungen haben das Menschenrecht auf schöne Hotelzimmer mit Behindertentoilette, Wannenlift, Duschstuhl. Die Stadt Yokohama übernimmt bei Unterkünften mit mindestens 1000 Quadratmetern nun bis zur Hälfte der Renovierungskosten bis zu einer Obergrenze von 20 Millionen Yen, also 165 000 Euro; ein Fonds soll her. Auslöser waren Probleme des britischen Teams, barrierefreie Zimmer zu finden. Wie lautete der Tweet einer japanischen Para-Schwimmerin? „Wie peinlich. Komm schon, Japan.“

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