Kolumne: So läuft es : Dem Waschbrettbauch davonlaufen

Die Magazine sind voll vom scheinbar idealen Körper - und wie man diesen züchten kann. Unser Kolumnist ist davon genervt und hat eine Idee.

Laufen für einen besseren Körper oder für ein besseres Leben?
Laufen für einen besseren Körper oder für ein besseres Leben?Foto: FOTOLIA

Es ist wieder Frühling. Und es ist wieder Waschbrettbauch-Zeit. Wer sich jetzt keinen Waschbrettbauch zulegt, also den Waschbärbauch nicht eliminiert, der ist ein Lappen. Wenigstens wird uns das überall suggeriert. Wie in jedem Frühling. In jedem Magazin. „Waschbrettbauch in sechs Wochen“, „So schaffen auch Sie das Waschbrett“, „Für immer ein Waschbrett“, überall Fotos von glänzenden Sixpacks. Man ist quasi umzingelt. Und das im Jahr 2018! Wo der Waschbrettbauch so neunziger Jahre ist.

Und hier ist der Punkt: Was hilft’s denn, wenn der Bauch bretthart ist, der Rest des Körpers aber nix kann? Was hilft ein Körper, der – und das ist zudem Geschmacksache – gut aussieht, aber zusammenbricht, wenn er mal richtig gefordert wird? Ich lege mich fest: Der Waschbrettbauch ist Muskel von gestern. Und wir sollten uns dringend von Idealen verabschieden. Das Sixpack ist es nicht. Und dünn im Sinne von dürr wie in Germany’s Next Topmodel ist es schon gar nicht. Was aber ist es denn dann? Was ist das Ding des Jahres? Das Ding des Lebens? Sie ahnen es. Laufen ist es. Nie sind mehr Menschen in Deutschland gelaufen als derzeit, ständig werden es mehr. Das ist gut so! Aber machen wir es besser, als es beim Waschbrett gelaufen ist. Bitte!

Ein paar Regeln

Regel eins: Entspannen wir uns mal. Wenn wir Lust aufs Laufen haben, laufen wir. Sonst halt nicht. Regel zwei: Wer ein Waschbrett will, muss sich quälen. Läufer laufen einfach. Laufen darf nie zur Qual werden, nie zur Pflicht. Es soll uns gut tun. Drittens: Ein guter Läufer ist ein guter Athlet. Trainieren wir neben dem Laufen auch unsere Schwachstellen. Krafttraining, Schwimmen, Radfahren, funktionelles Training und vieles mehr. Das sind die Dinge, die den Läufer wirklich stark machen.

Regel vier: Ohne massenhaft Protein kein Waschbrett. Aber: Läufer essen alles. Und vor allen Dingen gesund und abwechslungsreich. Kein Stress beim Essen, denn Stress macht schnelle Läufer langsam im Kopf. Und die vielleicht wichtigste Regel: Läufer brauchen keinen Sixpack- Vergleich! Der coole Läufer läuft einfach für sich. Ob fünf, zehn, oder 42 Kilometer. Ob schnell oder langsam, Trails oder Marathon, Wettkämpfe oder lockeres Joggen, das Laufen gehört nur dem Läufer selbst.

Sollten Sie sich im Zwiespalt befinden, sollten Sie mit schlechtem Gewissen dieser Tage am Kiosk vorbeigehen und all die bunten Magazine sehen. Sollten Sie sich schlecht fühlen, weil Sie sich nicht aufraffen können – dann schenke ich Ihnen jetzt den Lieblingssatz meines Großonkel Helmut: „Du wirst nicht durch Quälerei 92 Jahre alt. Sondern durch ein gesundes Leben, viel Bewegung und ein Schnitzel mit ordentlich Fett!“ So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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