Kolumne: So läuft es : Genießen Sie jeden Moment!

Als sich unser Kolumnist während eines langen Spaziergangs Ziele fürs neue Jahr setzte, machte er eine Begegnung die seine Gedanken relativierten.

Frische Luft für die Seele. Laufen kann in jeder Lebenslage helfen.
Frische Luft für die Seele. Laufen kann in jeder Lebenslage helfen.Foto: von Jutrczenka/dpa

Es ist die Zeit der guten Vorsätze für das neue Jahr. Ich habe das eigentlich komplett abgestellt, denn ich mag Vorsätze nicht. Vielleicht, weil sie zu oft schon am 2. Januar gebrochen werden. Ich mag Ziele, die man sich setzt. Und sei es auch nur ein Ziel. Und sei es auch noch so klein. Viele Läufer planen ihr Laufjahr 2018. Andere Noch-Nicht-Läufer überlegen, wie sie überhaupt einmal beginnen. Wie sie den Anfang machen können. Nach dem Tag heute denke ich so: Nicht lange überlegen. Machen. Wir denken manchmal viel zu viel. Machen ist angesagt. Aus Gründen.

Seit nun sechs Jahren treffe ich ein älteres Ehepaar auf meiner Laufstrecke. Beide sehr sportlich. Das waren sie immer. Und ein Riesenherz haben sie. Riesengroß. Kennengelernt habe ich sie über die Hunde. Meine spielten stets mit ihren. Gala und Chulu, zwei Podencos aus dem Tierschutz. Für eine kurze Toberei unterbrach ich oft meinen Lauf einige Minuten. Es waren Gespräche über Hunde, na klar. Und über Bewegung. Und darüber, was das Laufen, was die tägliche Bewegung so bewirken kann. Im Frühling musste Chulu leider von ihnen gehen. Es kam Paco. Wieder ein Podenco. Wieder aus dem Tierschutz.

Natürlich halte ich noch immer an. Es gibt wenige auf meiner Laufstrecke, die ich so ins Herz geschlossen habe. Und es gibt wenige Hunde, die meine Hunde so sehr lieben wie Gala und jetzt Paco. Ich kenne die Namen der älteren Herrschaften nicht. Aber das ist auch gar nicht wirklich wichtig. Denn auf den Austausch kommt es an. So auch diesmal.

Es geht darum, auch 2018 immer in Bewegung zu bleiben

„Was macht Ihre Gesundheit?“, fragte sie. „Ganz okay. Ich arbeite mich langsam wieder ran nach meiner Verletzung“, antwortete ich. Wir redeten nur über mich und die Lauferei. Das war mir irgendwie unangenehm. Und wir philosophierten über die Bewegung. Und wie wichtig Bewegung doch ist. Und dass das Laufen so unheimlich hilft. In jeder Lebenslage. Plötzlich sagte er: „Ich bin doch auch so gerne gelaufen, und ich habe so gerne Volleyball gespielt. Und jetzt ist es der Rücken. Der Rücken. Es geht einfach nicht mehr. Bis auf die Spaziergänge.“ Ich erwiderte: „Aber bitte, bitte bleiben Sie in Bewegung. Das tut Ihnen ganz bestimmt gut. Nur nicht stehenbleiben.“

Sie schaute traurig. Und ihre Augen glänzten. Dann sagte sie leise: „Ja, aber er muss sich danach sehr lange ausruhen. Die Metastasen sind mittlerweile überall im Rücken. Die Tabletten helfen noch ein bisschen. Aber...“ Ich fühlte mich plötzlich so fürchterlich klein mit meinen Problemen. So fürchterlich überflüssig, weil jedes Wort einfach nur nicht angemessen gewesen wäre.

Jedenfalls fühlte sich das so an. Wir verabschiedeten uns mit einem warmen und sanften Lächeln. Und wünschten uns ein frohes Weihnachtsfest. Und einen guten Rutsch. Wir genossen alle drei den Moment, weil Worte überflüssig waren. Es gilt, jeden Augenblick zu genießen. Es geht darum, immer in Bewegung zu bleiben. Egal wie. Genießen Sie jeden Moment, jeden Laufmoment in 2018. Und machen Sie sich nicht zu viele Gedanken. Machen Sie einfach. So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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