Kolumne: So läuft es : Raucher sind besser als Läufer

Gesetzliche Krankenkassen behandeln verletzte Läufer schlimmer als echte Risikopatienten. Unser Kolumnist findet deutliche Worte.

Mike Kleiß
Läufer tragen die Folgekosten der Raucher, die um ein Vielfaches höher sind als die der Sportverletzten, schreibt unser Autor.
Läufer tragen die Folgekosten der Raucher, die um ein Vielfaches höher sind als die der Sportverletzten, schreibt unser Autor.Foto: dpa

Ich sehe sie quasi ständig vor mir, die bunten Werbeprospekte der gesetzlichen Krankenkassen. Fotos von gesundem Essen und schönen Menschen, die joggen. Dazu wohlfeil formulierte Werbeslogans, die versprechen: „Wir belohnen Ihr sportliches und gesundes Leben“. Die Realität sieht jedoch komplett anders aus. Meine eigene Verletzung lehrt mich gerade so einige Dinge, die meinen Körper aber auch meine Krankenkasse betreffen. Und was das mit einem machen kann. Mit Schrecken stelle ich derzeit fest: Wer – wie ich – gesetzlich versichert ist, wer normal verdient oder gar gerade so über die Runden kommt, der kann oftmals nicht oder nur schwer wieder gesund werden. Klare Jacke: Wer eine intensive Physiotherapie nach einer Sportverletzung und einer OP benötigt, hat genau zwei Möglichkeiten: Krank bleiben – und die Genesung dem Zufall überlassen. Oder einfach selbst bezahlen.

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen sechs bezahlte Behandlungen vor. Das gibt der Heilmittelkatalog vor, dann ist in der Regel Feierabend. Wer mehr braucht, muss zahlen. Und schnell kommen zwei, drei oder mehrere Tausend Euro zusammen. Für Normalverdiener kaum zu machen. Für Geringverdiener ein Schlag ins Gesicht.

Für die Krankenkasse sind Läufer die perfekten Kunden

Wer regelmäßig läuft, verbessert eindeutig seine Gesundheit. Hierzu gibt es jedes Jahr immer neuen Studien. Für die Krankenkasse sind wir Läufer die perfekten Kunden. Wir nehmen die Kasse kaum in Anspruch, zahlen brav den hohen Beitrag und sind eine der tragenden Säulen der Solidargemeinschaft. Wir tragen die Folgekosten der Raucher, die um ein Vielfaches höher sind als die der Sportverletzten, wir tragen die Kosten all derer, die durch Übergewicht teure Langzeitbehandlungen benötigen. Man könnte die Liste der Risikogruppen weiterführen. Wir werden gerne als laufende Kuh gemolken. Geben wir nicht mehr genug Milch, weil wir uns zum Beispiel verletzen und ein wenig Pflege benötigen, bis wir wieder an die Melkmaschine können, werden wir auf die Wiese gestellt. Und man überlässt die Laufkuh sich selbst.

Es gibt nun Stimmen die sagen: Wer große Belastungen des Körpers in Kauf nimmt, wer es als Läufer übertreibt und Marathon läuft, der muss auch den Preis dafür zahlen. Im wahrsten Sinne. Der kann nicht von der Solidargemeinschaft aufgefangen werden. All denen sei gesagt: Stimmt, der Marathon ist nicht gesund. Das Training dafür und jede Bewegung jedoch sehr wohl. Warum also sollen wir Läufer als eine der tragenden Säulen der Solidargemeinschaft alle Raucher und Übergewichtigen weiter mit unserer Milch versorgen? Und werden umgekehrt dafür bestraft? Hier stimmt einiges am System nicht. Das Argument: „In anderen Ländern ist es noch viel schlimmer, wir haben hier ein wirklich tolles Gesundheitssystem“ zählt nicht. Ein Vergleich bringt uns nicht weiter. Wir brauchen Lösungen.

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