Länderspiel Deutschland gegen Spanien : Thomas Müller macht's schön

Die deutsche Nationalmannschaft erzielt gegen Spanien ein gehaltvolles und gerechtes 1:1. Vor allem zwei Geniestreiche erfreuen die Fans.

Grüne Freude. Boateng, Müller, Hummels und Khedira (von links) bejubeln das 1:1 in ihren neuen Auswärtstrikots.
Grüne Freude. Boateng, Müller, Hummels und Khedira (von links) bejubeln das 1:1 in ihren neuen Auswärtstrikots.Foto: Federico Gambarini/dpa

Es ist nahezu unmöglich, einen Zusammenhang zwischen der Ekstase spanischer Fußballreporter und dem Geschehen auf dem Rasen herzustellen. Es gibt nämlich nicht zwingend einen. Als am Freitagabend in Düsseldorf das Länderspiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Spanien angepfiffen wurde, wurde es auf der Pressetribüne, dort also, wo die TV- und Radioreporter aus Spanien saßen, so laut, als wäre gerade der entscheidende Treffer im WM-Finale gefallen.

Es gab für sie auch in der Folge noch etliche Gelegenheiten, die Lautstärke hoch zu fahren. Die 50 653 Zuschauer in der ausverkauften Arena sahen ein Spiel von gehobener Qualität mit viel Tempo, einigem Spektakel – und einem gerechten Ergebnis. 1:1 (1:1) hieß es am Ende. Beide Teams bleiben damit seit der EM 2016 ungeschlagen. Die Deutschen verlängerten ihre Serie auf nun 22 Spiele und haben am kommenden Dienstag beim Spiel gegen Brasilien die Chance, den Rekord vom Beginn der achtziger Jahre einzustellen. „Es war ein Spiel, das hätte auch 2:2 oder 3:3 ausgehen können“, sagte Torschütze Thomas Müller.

Marc-André ter Stegen, der den verletzten Torhüter Manuel Neuer vertrat, hatte am Tag vor der Begegnung gegen die Spanier Einspruch erhoben, als das Wort Freundschaftsspiel fiel. Ein Freundschaftsspiel sei das nicht, erklärte er, sondern ein Testspiel. Ter Stegen sollte Recht behalten. Knapp drei Monate vor der WM in Russland lieferten sich der aktuelle Weltmeister und sein Vorgänger ein Duell von hoher Intensität und auch spielerischer Klasse. Das lag zunächst vor allem an den spanischen Fußballern, die ähnlich energiegeladen zu Werke gingen wie ihre Landsleute auf der Pressetribüne. Die Gäste attackierten früh, sie wechselten immer wieder die Positionen und schufen mit ihrem flirrenden Spiel unter den Deutschen einige Verwirrung.

Müllers 38. Tor für den DFB

Schon nach fünf Minuten hatte der Gastgeber, der in seiner mutmaßlich besten Besetzung angetreten war, das Nachsehen. Spaniens Feingeist Andres Iniesta wurde vor dem deutschen Strafraum nicht attackiert, was man bei ihm nicht machen sollte. Iniesta konnte den Ball unbedrängt in den Rücken von Innenverteidiger Mats Hummels passen, Rodrigo Moreno nahm an und traf zum 1:0 für die Gäste, ter Stegen hatte keine Abwehrchance.

Es dauerte ein bisschen, bis die Deutschen besser ins Spiel fanden. Zu Beginn liefen sie oft hinterher, wenn die Spanier den Ball durch ihre Reihen kreiseln ließen. Bisweilen – hier ein Beinschuss, da ein Hackentrick – übertrieben es die Gäste aber auch mit ihren Tricks, mit denen sie ihre Gegenspieler der Lächerlichkeit preisgaben. Nach einer halben Stunde fanden die Deutschen schleichend mehr Sicherheit, sie kombinierten nun besser, ließen ihrerseits den Ball laufen. In einer solchen Phase gelang dem Weltmeister auch der Ausgleich. Nach einem Zuspiel von Sami Khedira kam Thomas Müller 20 Meter vor dem Tor aus zentraler Position zum Schuss. Der Ball flog über Torhüter David de Gea zum 1:1 ins Netz. Für Müller war es im 90. Länderspiel das 38. Tor für die Nationalmannschaft.

Anders als in der ersten Halbzeit waren es in der zweiten die Deutschen, die mit mehr Elan starteten. Die Nationalmannschaft kam unmittelbar nach Wiederbeginn zu einer ganzen Reihe von Eckbällen, und Julian Draxler zu einer guten Gelegenheit. De Gea lenkte seinen Schuss aus halbrechter Position gerade noch um den Pfosten. Kurz darauf sah sich Bundestrainer Joachim Löw zu einem ersten Wechsel gezwungen: Sami Khedira musste angeschlagen vom Feld, für ihn kam Ilkay Gündogan.

Es ging nun hin und her, was auch daran lag, dass es beide Mannschaften mit der taktischen Disziplin nicht mehr allzu genau nahmen. Zwischen Defensive und Offensive klafften oft große Lücken. So folgte der besten Chance für Spanien gleich eine weitere gute Gelegenheit für die Deutschen. Erst rettete ter Stegen nach dem schönsten Angriff der Gäste aus kürzester Distanz gegen den Abschluss des formidablen Isco, im Anschluss an den folgenden Konter scheiterte Gündogan auf der anderen Seite an de Gea. Spaniens Torhüter hatte wenig später Glück, als ein Kopfball von Hummels nach einem Freistoß von Toni Kroos auf der Latte landete.

Von den Rängen wurde nun eine Welle nach der anderen auf die Reise geschickt. Einen Zusammenhang mit dem Geschehen auf dem Rasen herzustellen, war in diesem Fall nicht schwierig.

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