Sport : Lässig im Lärm

Schwerin und Friedrichshafen holen Volleyball-Pokal

Karsten Doneck[Halle (Westfalen)]

Ein besonders pfiffiger Zuschauer hatte vorgesorgt. Seine Gehörgänge schützte der Mann, an seinem roten Trikot unschwer als Anhänger des Dresdner SC zu erkennen, mit gelben Ohrstöpseln. Verständlich irgendwie. Mit Trommeln, Tröten und Stimmkraft schufen die 10 500 Zuschauer im Gerry-Weber-Stadion in Halle (Westfalen) beim deutschen Volleyball-Pokalfinale einen enormen Lärmpegel. Beflügelt von der Atmosphäre wurden zunächst die Frauen des Schweriner SC. Sie bezwangen im Endspiel den Dresdner SC mit 3:1 (25:17, 25:21, 17:25, 25:17) und verteidigten damit ihren Titel erfolgreich. Im Finale der Männer zementierte der VfB Friedrichshafen seine Vormachtstellung im deutschen Volleyball. Mit dem 3:1 (28:30, 25:23, 25:21, 25:18) gegen den Moerser SC holte sich auch der VfB erneut den Pokal.

Zum zweiten Mal fand das Pokalfinale in Halle statt. Nationalspielerin Sylvia Roll vom Schweriner SC geriet angesichts der Kulisse ins Schwärmen: „Jeder, der an so einem Spektakel teilnimmt, genießt das.“ Dabei ist die 33-Jährige schon viel herumgekommen, sie spielte für Klubs in Italien und Brasilien. Ihr Vereinstrainer, der Norweger Tore Aleksandersen, sagte sogar: „Das ist der größte Feiertag im deutschen Volleyball.“

Das Gerry-Weber-Management hat sich vor zwei Jahren mit dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) darauf geeinigt, das Pokalfinale in Halle zu einem Event zu machen. „Da sind Profis am Werk“, lobt Stelian Moculescu, Trainer der Nationalmannschaft und des VfB Friedrichshafen. Dass diesmal gegenüber der ersten Veranstaltung in Halle 1000 Zuschauer weniger kamen, dafür gab es einen triftigen Grund: Die Frauen des USC Münster waren diesmal schon im Viertelfinale an Bayer Leverkusen gescheitert. Sie allein wurden im Vorjahr von 4000 Fans begleitet.

Der Vertrag zwischen Gerry Weber und dem Verband läuft noch bis 2008. „Ich würde mir wünschen, das Pokalfinale auch in den Folgejahren zu einem Event zu machen“, sagt Ralf Weber vom Management des Unternehmens. Widerspruch vom Volleyball-Verband kommt nicht. Am Sonntag einigten sich Unternehmen und DVV erst einmal mündlich, die Zusammenarbeit über 2008 hinaus fortzusetzen. Werner von Moltke, der Präsident des DVV, wünscht sich aber auch „charismatische Athleten oder ruhig ein paar Streithähne“.

Und dennoch wollte kein Zuschauer jene Szene nach dem Frauen-Pokalfinale missen. Da kannte die Freude bei den Schwerinerinnen verständlicherweise keine Grenzen mehr. Alle hüpften oder lagen sich jubelnd in den Armen, manche weinten auch Freudentränen - nur eine war eilig auf die andere Seite des Netzes gehüpft. Sylvia Roll spendete dem Verlierer Trost. Jede einzelne Dresdner Spielerin nahm sie kurz in den Arm und sprach ein paar nette Worte. Auch da zeigte die 1,82 Meter große Nationalspielerin Roll Größe.

Aber zumindest für Schwerins Trainer Tore Aleksandersen schuf der Sieg auch ein Problem. „Ich habe versprochen, dass ich bei einem Pokalsieg zu Fuß rückwärts zurücklaufen werde nach Schwerin“, sagte der Norweger, bat aber dann doch um Gnade: „Ich werde die Mannschaft bitten, dass ich mit dem Bus fahren darf." Sein Bitte fand Gehör. In der Siegesfreude waren die Schwerinerinnen dann doch großzügig.

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