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Leichtathletik-EM in Berlin : Gina Lückenkemper und David Storl holen erste Medaillen

Die 21 Jahre alte Sprinterin Gina Lückenkemper landet am Dienstagabend über 100 Meter sensationell auf Rang zwei. Kugelstoßer David Storl wird Dritter.

Gina Lückenkemper nach ihrem Silber-Lauf.
Gina Lückenkemper nach ihrem Silber-Lauf.Foto: AFP

Es war mal wieder ein außerordentlich warmer Abend in Berlin. Im Olympiastadion blinzelte bis spät in den Abend die Sonne durchs Marathontor, in dem das mittlerweile zum Kult gewordene Maskottchen Berlino seine Tänzchen aufführte. Die Bühne war bereitet für den ersten Finalabend bei den Leichtathletik-Europameisterschaften. Und für die Freunde der deutschen Leichtathletik war eine Frage, wer denn als Erstes eine Medaille für Deutschland holen würde: der Kugelstoßer David Storl, der 10 000-Meter-Läufer Richard Ringer oder gar Gina Lückenkemper über 100 Meter? Die besten Chancen hatte der drahtige Langstreckenläufer Ringer, weil er als Erster dran war und die schlechtesten Lückenkemper, die als Letzte am späten Abend um 21.30 Uhr startete. Am Ende wird es den deutschen Fans egal gewesen sein, wer es zuerst schaffte. Umso besser war für sie, dass es gleich zwei Medaillen wurden. Gina Lückenkemper spurtete zu Silber und David Storls Weite von 21,41 Metern bedeutete die Bronzemedaille.

Es war sportlich ein schöner Auftakt aus deutscher Sicht. Auch wenn rund um die Wettbewerbe noch nicht alles perfekt war im Berliner Olympiastadion. Die Akustik funktionierte nicht richtig, Interviews mit den Athleten im Stadion waren kaum zu verstehen. Und natürlich war auch das Zuschaueraufkommen eine kleine Spaßbremse. Knapp 35 000 Besucher hatten sich bei einer Kapazität von 60 000 Zuschauern im Olympiastadion verloren.

Richtig bitter endete der Abend für Richard Ringer

Aber vielleicht verleihen die ersten Medaillen für das Austragungsland der Leichtathletik-EM den nötigen Aufschwung. Lückenkemper hatte einen fulminanten Halbfinallauf gezeigt. In 10,98 Sekunden spurtete sie zum zweiten Mal in ihrem Leben unter elf Sekunden. Das Grinsen der 21-Jährigen was bis unters Stadiondach zu sehen. Hier konnte was gehen. Und es ging auch was. Im Finale war wie schon im Vorlauf nur die Britin Dina Asher-Smith (10,85 Sekunden) schneller. Lückenkemper kam erneut in 10,98 Sekunden ins Ziel, noch vor der holländischen Ausnahmeläuferin Dafne Schippers (10,99). Ein großer Erfolg für Lückenkemper, die anschließend in die Knie ging, den Tränen nahe war, ehe der empathische Berlino sie tätschelte. Bei den Männern setzte sich über 100 Meter der Brite Zharnel Hughes in 9,95 Sekunden durch.

Wenige Minuten zuvor war David Storl mit seinen rot-schwarz-goldenen Knieschonern in die Arena gestampft und ließ das Publikum gleich bei seinem ersten Versuch sehr laut werden. Er stieß die Kugel auf 21,41 Metern. Eine Top-Weite und – so dachten viele – wohl auch der Sieg. Storl brüllte seine Freude heraus und klatschte in die Hände, dass das Magnesium nur so aufstaubte. Aber kaum war das Gebrüll vorbei, drehte der Pole Michal Haratyk im Ring seine Kreise und feuerte die Kugel auf 21.71 Meter. Wenig später legte sein Landsmann Konrad Bukowiecki mit 21.66 Metern nach. Storl saß neben der Anlage und wirkte angeschlagen. Er versuchte es. Aber nach Storls weiteren Versuchen saß Haratyk jedes Mal auf seinem Stuhl und zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich wollte er sich nur lockern für seinen darauf folgenden Versuch. Storl hätte es aber auch so verstehen können, dass er an diesem an seine Weite nicht mehr herankommen würde. Und so kam es dann auch.

Richtig bitter war der Abend dagegen für Richard Ringer. Der 29-Jährige tat sich von Beginn an schwer. Sein Gang wirkte unruhig, er schüttelte immer wieder seine Arme, als würde er so noch ein paar Energiereserven freimachen können. Aber nach knapp 7000 Metern musste er aufgeben. Es siegte der Franzose Morhad Amdouni vor dem Belgier Bashir Abds und Yemaneberhan Crippa aus Italien. Doch das trübte die gute Stimmung nicht. Die Sonne war inzwischen untergegangen, aber der DJ legte minutenlang den Stadion-Evergreen „Oh, wie ist das schön“ auf. Für viele der Zuschauer war das der passende Soundtrack zu diesem Abend.

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