Leichtathletik-WM ohne Usain Bolt : Zum Glück ist die Show vorbei

Usain Bolt hat die Leichtathletik über Jahre vor allem mit viel Firlefanz geprägt. Jetzt geht es wieder um das Wesentliche. Gut so! Ein Kommentar.

Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt fiel auch abseits der Bahn auf.
Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt fiel auch abseits der Bahn auf.Foto: dpa

Für die am Freitag beginnende Leichtathletik-WM in Doha gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht. Auf Grund der äußeren Umstände im Wüsten-Emirat werden die Athleten in einem künstlich heruntergekühlten Stadion ihre Wettkämpfe bestreiten. Viele sind skeptisch, weil dadurch ihr Krankheitsrisiko steigt.

Die andere Nachricht ist erst auf den zweiten Blick als eine gute erkennbar. Erstmals seit der WM 2005 fehlt der Name von Usain Bolt im Starterfeld. Der Jamaikaner, der vor zehn Jahren in Berlin drei seiner elf WM-Goldmedaillen gewann und die heute noch gültigen Weltrekorde über 100 Meter (9,58 Sekunden) und 200 Meter (19,19) aufstellte, hat die Leichtathletik geprägt. Für viele hat er die Leichtathletik fast allein am Leben erhalten.

Das sagt etwas über den Zustand der größten olympischen Kernsportart aus – wie gleichfalls über die heutige Zeit. Bolt war sauschnell, aber eben auch ein Showman, der mit reichlich Firlefanz und Poserei auf und neben der Tartanbahn Aufsehen erregte und nebenbei anderen die Schau stahl. Andere sehen sein Wirken kritischer. Durch seine Fabelzeiten habe der Mann aus Jamaika andere Läufer animiert, etwas Unerlaubtes zu nehmen, behaupten einige in der Szene.

Beweisen lässt sich das nicht. Aber von den Läufern, die in den vergangenen zehn Jahren auch nur in die Nähe seiner Weltrekorde kamen, sind beinahe alle des Dopings überführt worden. Wie beispielsweise Justin Gatlin, der Bolt bei dessen letzter WM 2017 in London über 100 Meter davongelaufen ist. Nur Bolt konnte nie überführt werden. Vielleicht wollte es damals auch niemand aus dem System. Für die Leichtathletik mag Usain Bolt ein Glücksfall gewesen sein. Für andere war er zuallererst ein Glückskind. Gesegnet mit tollen Genen und einem ordentlichen Schuss zur exaltierten Selbstfeierei.

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