"Wir wollen wieder ins Pokalfinale – und diesmal gewinnen"

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Leipzigs Markus Krösche im Interview : "Wir sind eine Bereicherung für die Bundesliga"

Herr Krösche, Sie sind aus Paderborn gekommen, nachdem Sie die Mannschaft dort bis in die Bundesliga geführt haben. Wie groß ist der Unterschied zwischen Paderborn und Leipzig?
In Paderborn einen Titel zu holen… da wird es schon eng. Dadurch, dass wir hier in Leipzig den ein oder anderen Mitarbeiter mehr haben, verändert sich die Arbeitsweise natürlich ein Stück weit. Aber trotzdem geht es um Fußball und darum, dass ich Julian einen Kader zusammenstelle, mit dem er erfolgreich sein kann. Insofern verändert sich die Arbeit nicht.

Sie wurden auch andernorts gehandelt. Was hat Sie an Leipzig gereizt?
Für mich ist es immer wichtig, dass ein Verein eine Philosophie hat und der Verein die Menschen auch nach dieser Philosophie einstellt und die entsprechenden Spieler holt. Es ist wichtig, dass man vorher klare Merkmale festlegt, um eine Philosophie umzusetzen. Mit dieser Maxime habe ich in Paderborn begonnen und da war RB Leipzig immer ein großes Vorbild, weil hier nach so einer Philosophie gearbeitet wurde. Es ist hier in einer kurzen Zeit extrem viel erreicht worden.

In Leipzig haben Sie den Großteil der Fußballfans von RB überzeugt, es gibt aber immer noch einige, die meckern.
Die hast du überall.

Außerhalb Leipzigs ist RB nicht unbedingt beliebt. In vielen Umfragen belegen Sie von Ihrer Popularität her einen unteren Platz. Wie leben Sie damit?
Da muss ich Sie verbessern. Uns nur auf den Leipziger Raum zu reduzieren, ist falsch. Viele unserer Anhänger kommen von weiter weg, unter anderem auch aus Berlin. Ich finde schon, dass wir interessant sind und natürlich polarisieren wir. Es gibt ja auch viele Umfragen, nach denen wir mit zu den Top fünf der beliebtesten Vereine in der Liga gehören. Ich glaube, dass es jeder in Fußballdeutschland honoriert, wie hier gearbeitet und Fußball gespielt wird und wie der Klub insgesamt auftritt. Wir sind eine Bereicherung für die Bundesliga.

Auch das sehen nicht alle Fans der Konkurrenz so, der Vorwurf Retorte steht im Raum.
Es herrscht freie Meinungsäußerung. Wenn einige wenige den Verein schlecht finden, dann ist es eben so. Bayern, Dortmund, Hoffenheim oder Wolfsburg haben ja auch alle ihre Anhänger oder eben auch nicht. Borussia Dortmund ist eine Aktiengesellschaft, Bayern München verkauft Anteile, es gibt Konzerne wie VW und Bayer, die Vereine unterstützen. Wo fangen wir an, wo hören wir auf? Die Anderen kokettieren ja damit, dass das bei uns komplett anders und daher unfair sei. Diese Diskussion führt meiner Meinung nach zu nichts, denn unter dem Strich sind alle Fußballklubs logischerweise auch Wirtschaftsunternehmen. Und ich persönlich habe gemerkt, dass uns viel positive Resonanz entgegenschlägt.

Vergangenes Wochenende haben Sie im DFB-Pokal üben können für ihr Auftaktspiel in der Bundesliga. Die Atmosphäre im Stadion an der Bremer Brücke beim VfL Osnabrück ähnelt der beim 1. FC Union. Nur wird es an der Alten Försterei wohl am Sonntag die ersten 15 Spielminuten leiser sein. Die Berliner Fans wollen mit ihrem Schweigen gegen das Konstrukt RB protestieren. Welche Meinung haben Sie dazu?
Es ist das erste Bundesligaspiel von Union Berlin. Es ist der Moment, auf den alle lang hingearbeitet haben, auf den sich alle seit langer Zeit freuen im Klub und Umfeld. Da würde ich mich als Fan schon fragen, ob das Sinn macht. Letztendlich können wir es aber nicht beeinflussen und es wird uns auch von unserer Herangehensweise nicht beeinflussen. Ich finde es schade, weil Union und die Alte Försterei immer eine Reise wert sind. Aber es ist nicht unsere Baustelle.

Prinzipiell ist es doch eine gute Geschichte für Leipzig, dass nun zwei Berliner Vereine in der Bundesliga sind.
Natürlich. Das ist eine Supergeschichte. Wir werden wahrscheinlich zwei ausverkaufte Heimspiele und insgesamt vier tolle Partien haben. Wichtig wäre natürlich, dass wir uns auch alle Punkte sichern könnten. Und unsere Saisonziele schaffen: Weiterkommen in der Champions League, vorne in der Liga dabei sein und gerne wieder ins Pokalfinale kommen – und das diesmal gewinnen (lacht).

Selbst wenn der Gegner wieder Bayern München heißt?
Na gut, dann müssten wir die halt mal wegräumen (lacht). Im Ernst: es wäre natürlich ein Traum, wenn wir unsere Finalteilnahme wiederholen könnten. Aber da sollten wir auch realistisch bleiben.

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