Sport : Lernen für ein bewegtes Leben

Beim SV Empor Köpenick treiben schon Vorschulkinder Sport – und legen die Grundlagen für ihre körperliche Intelligenz

Friedhard Teuffel

Im Verein ist Sport am schönsten. So haben die Sportverbände bisher geworben. Aber die Vereine haben schwer zu kämpfen. Sie müssen sich gegen kommerzielle Konkurrenz behaupten, sie haben es mit einer sich wandelnden Gesellschaft zu tun, die immer älter wird, in der viel Bewegungsarmut herrscht und neue soziale Konflikte auftauchen, etwa durch Migration. Wir stellen Berliner Vereine vor, die modellhaft diese Herausforderungen angenommen haben. Heute Folge 3: der SV Empor Köpenick und sein Vorschulsport.

Aus einer gewöhnlichen Turnhalle ist mit ein paar Geräten ein Abenteuerspielplatz geworden. Zehn Kinder toben durch die Halle, sie nutzen Barren und Schwebebalken als Klettergerüst und lassen sich auf Zuruf der Übungsleiterin auf eine der vielen Matten fallen wie auf eine Sommerwiese. Die Kinder sind früh dran mit dem Sport, die meisten von ihnen sind höchstens fünf Jahre alt, und vormittags gehört diese Turnhalle eigentlich den Schülern. Doch die jungen Turner sind nicht nur Kindergartenkinder, sondern seit kurzem auch Vereinssportler des SV Empor Köpenick.

Der SV Empor Köpenick fängt ganz klein an, er legt seit einigen Jahren einen Schwerpunkt auf den Sport mit Vorschulkindern. Die Vereinsgeschäftsführerin Angelika Lehmann gibt an diesem Mittag selbst Hilfestellung, wenn die Kinder über den Schwebebalken balancieren und über Kästen springen. „Die Kinder sind bei allem, was sie hier machen, so begeistert, hier sieht man noch Erfolgserlebnisse“, sagt Lehmann. Das ist ihre persönliche Motivation beim Vorschulsport. Die Motivation des Klubs formuliert sie so: „Vorschulkinder sind die Basis für den Verein. Man muss schon im Vorschulalter das Interesse und den Spaß am Sport wecken, sonst sind die Kinder noch schneller an der Elektrodroge Computer.“

Mit ihrem Vorschulsport bearbeiten die Köpenicker jedenfalls ein gesellschaftliches Problem. Eine Studie nach der nächsten wird derzeit veröffentlicht, die auf Bewegungsmangel hinweist und die steigende Zahl an übergewichtigen Kindern. Um ihr Angebot möglichst vielen Kindern machen zu können, hat sich der SV Köpenick Partner gesucht. Seit zwei Jahren arbeitet der Verein mit zwei Kindergärten zusammen. Wenn sich die Eltern einverstanden erklären, werden die Kinder Vereinsmitglied für einen Monatsbeitrag von 3,50 Euro im ersten Jahr. Dafür treiben sie einmal in der Woche in ihrer Kindergartenzeit Sport und können auch noch einmal nachmittags in den Verein gehen. Die Zusammenarbeit mit den Kindergärten hat sich für den SV Empor schon gelohnt. 200 Kinder sind seitdem dazugekommen. Von den 1387 Mitgliedern des SV Empor sind 468 Vorschulkinder.

Von der neuen Partnerschaft haben alle etwas, auch der Kindergarten. „Die dürfen sich dafür ,Bewegungsintensive Kita’ an die Tür schreiben“, sagt Angelika Lehmann. Ein Erzieher aus dem Kindergarten begleitet die Gruppe zum Sport. Dadurch gibt es mehr Aufsichtspersonal. „Wir können dadurch mehr machen, als in einer normalen Sportstunde möglich wäre. Außerdem können sich die Erzieher von unseren Übungsleitern etwas abschauen und dann auch im Kindergarten anwenden“, sagt Lehmann. Um die 29 Gruppen kümmern sich zurzeit vier Übungsleiter des SV Empor. Sie haben sich alle spezialisiert auf den Sport mit Kindern und besuchen regelmäßig Fortbildungen.

Vereinsgeschäftsführerin Lehmann hat bei ihrem Personal auch eine besondere Entwicklung festgestellt: „Früher haben sich alle auf eine Sportart fixiert, heute orientieren sie sich eher daran, welche Gruppen sie trainieren wollen und interessieren sich auch mehr für psychologische Dinge.“ Spezialisierung auf Sportarten wollen sie beim SV Köpenick im Vorschulsport ohnehin nicht, und damit liegen sie auch im Trend. Einige wissenschaftliche Untersuchungen haben schließlich herausgefunden, dass frühe Spezialisierung zwar kurzfristige Erfolge bringt, aber auf lange Sicht den Spaß am Sport verdirbt. Es geht daher um eine allgemeine Ausbildung „Die Kinder müssen von allem etwas können, dann sind sie später körperlich intelligenter“, sagt Lehmann. Beim SV Empor Köpenick trainieren sie daher ihre Geschicklichkeit, ihre Wahrnehmung, ihre Schnelligkeit und Beweglichkeit. Im Vorschulsport lernen die Kinder die Grundrechenarten des Körpers.

Bisher erschienen: Die Turngemeinde in Berlin und ihr Angebot zum Fitnesssport (18.2.), der FC Internationale und seine Integrationsarbeit (25.2.).

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