Sport : Lethargie im Spiel

Eine Niederlage verwirrt die Füchse-Handballer

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Berlin - Reicht bereits eine Niederlage aus, um den Glauben an den Trainer zu verlieren? In Berlin ist das offensichtlich möglich. Anders ist eine Diskussionen auf der Homepage der Füchse Berlin nicht zu werten. Unter dem Titel „Lommel raus“ hatten auf der Forum-Seite bis gestern Mittag schon 24 Benutzer ihre Meinung kundgetan. Nach der 27:29-Heimniederlage gegen Post Schwerin bewegte ein Satz ihre Gemüter: „Jörn-Uwe Lommel gefährdet den Aufstieg.“ Die Antworten darauf waren mehrheitlich: Das sei ungerecht, unfachlich und überhaupt kein Thema.

Zur Erinnerung: Die Füchse Berlin hatten zuvor in der zweiten Handball-Bundesliga Nord in 20 Spielen 20 Siege erreicht, damit sind sie ganz klar auf Aufstiegskurs. Viele im Umfeld des Vereins glaubten bereits, dass der Mannschaft ein Durchmarsch in die erste Liga gelingen würde. Der erste Punktverlust am vergangenen Sonntag riss dann nicht wenige aus der sich langsam breit machenden Lethargie. „Das ist wie bei einem Kind, dem du immer wieder sagen kannst, dass die Herdplatte heiß ist. Erst dann, wenn es sich die erste Brandblase geholt hat, glaubt es das wirklich“, umschreibt Manager Bob Hanning diesen Vorgang.

Dafür den Trainer verantwortlich zu machen, dem vor allem im zwischenmenschlichen Bereich Defizite nachgesagt werden, lehnt der Manager der Füchse strikt ab. „Er leistet ausgezeichnete Arbeit“, sagt er. Die sich beharrlich haltenden Gerüchte, dass nach Olympia 2008 Bundestrainer Heiner Brand den Trainerjob bei den Füchsen übernehmen werde, kommentiert Hanning nicht mehr. Jetzt gehe es schließlich um den Aufstieg in die Erstklassigkeit, da habe er „genügend andere Baustellen zu beackern“. Schließlich fehle noch rund eine Million Euro für erstklassige Neuverpflichtungen, ein hochkarätiger Aufsichtsrat sei zu installieren, und mit der Unterstützung des gesamten Füchse-Projekts durch die Stadt stehe es auch nicht zum Besten. Vor allem vom Senat erwartet Hanning mehr Entgegenkommen.

Mannschaftskapitän Daniel Brack steht hinter seinem Trainer: „Wir haben mit ihm kein Problem. Nach der Niederlage spüre ich in der Mannschaft vielmehr eine Aufbruchstimmung.“ Im heutigen Spiel beim sechs Punkte hinter den Füchsen liegenden Stralsunder HV will die Mannschaft das mit einem Sieg beweisen. „Danach liegen wir wieder mit acht Zählern vorn“, verspricht Brack.

Stralsunds Coach Holger Schneider, der ehemalige DDR- Nationalspieler, spätere Bundesliga- Profi und -Trainer, sieht in den Berlinern das „klar dominierende Team der Liga“. Für ihn ist es dennoch „normal, dass die Füchse nicht einfach so durchmarschieren können“. Schneider sagt, dass er in Stralsund seit eineinhalb Jahren in einem professionellen Umfeld ein Team aufbauen kann, mit dem er eigentlich erst 2008 den Aufstieg schaffen wollte. „Wenn wir als Zweiter hinter den Füchsen in die Relegation kommen, dann umso besser. Im Vordergrund steht aber die Entwicklung der Mannschaft“, sagt er. So sieht er auch das heutige Spiel. 1050 Fans können wegen der kleinen Halle nur dabei sein, über 4000 wollten gerne. Und Schneider kann sich sicher sein, dass es selbst im Falle der ersten Heimniederlage in dieser Saison auf der Stralsunder Homepage keine Diskussion unter dem Titel „Schneider raus“ geben wird.

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