London Series im Baseball : Red Sox, Yankees und Prinz Harry

Die amerikanische Major League Baseball trägt am Wochenende im Rahmen der London Series 2019 erstmals reguläre Saisonspiele in Europa aus.

Wenn Red Sox und Yankees aufeinander treffen, geht es oft eng zu.
Wenn Red Sox und Yankees aufeinander treffen, geht es oft eng zu.Foto: dpa

Für die großen US-Sportligen schlägt in Großbritannien das Herz Europas. Anders lässt es sich kaum erklären, warum nach der Football-Liga NFL (seit 2007) und der Basketball-Liga NBA (seit 2011) nun auch die Major League Baseball (MLB) erstmals reguläre Saisonspiele in London austrägt. Am kommenden Wochenende trifft der amtierende World-Series-Champion Boston Red Sox in zwei Spielen im London Stadium auf den MLB-Rekordmeister New York Yankees.

„Wir wollen in Regionen expandieren, wo Baseball bisher keine große Rolle spielt“, begründete MLB-Chef Rob Manfred die Wahl des Austragungsortes. In Japan, Mexiko oder Australien hat die US-Baseball-Liga bereits Spiele stattfinden lassen, dort aber ist der Sport deutlich präsenter als in Europa. Wobei die Briten mit Baseball deutlich weniger anfangen können, als beispielsweise Niederländer oder Italiener. Aber für den US-Sport ist London immer die sicherste Wahl, wenn es um die Austragung von Profispielen geht.

Im Baseball passt das sowieso, denn die Ursprünge der Sportart liegen in Großbritannien, auch wenn das dort heute keinen mehr so recht interessiert. Cricket ist auf der Insel deutlich populärer. Auch am kommenden Wochenende wird das so sein, denn in England findet gerade die Weltmeisterschaft statt.

Andererseits haben die Briten womöglich keine so großen Schwierigkeiten mit Baseball, der Sport gilt wie Cricket als nicht gerade rasant und wenn Red Sox und Yankees gegeneinander spielen, kann das schon mal fünf Stunden dauern. Da bleibt im London Stadium Zeit für das eine oder andere Getränk zwischendurch, auch wenn es vielleicht nicht unbedingt Tee sein muss.

Cricket-WM stellt kleines Problem dar

Die Cricket-WM stellte die MLB allerdings vor ein kleines Problem, denn so ein Baseball-Feld passt nicht ohne Weiteres in eine Fußballarena. Mit dem ehemaligen Olympiastadion, heute Heimstätte des Fußball-Klubs West Ham United fand sich dann aber doch noch eine Lösung. In den vergangenen Tagen wurde im London Stadium kräftig gewerkelt, extra aus Frankreich wurden 13.000 Quadratmeter Kunstrasen importiert und verlegt. Dazu kamen per Schiff aus den USA 345 Tonnen Erde für das Innenfeld. Mehr als 100 Menschen arbeiteten an der Umgestaltung, weitere 700 Volunteers werden den Besuchern der Spiele die Baseball-Regeln nahebringen. Weil die nicht ganz einfach sind, wird man im Stadion am Samstag und Sonntag auch viele Menschen mit kleinen tragbaren Radios sehen, sie können sich so das Gesehene sofort erklären lassen.

Die Angst, dass die Zuschauer nicht verstehen, was auf dem Feld passiert, ist allerdings eher unbegründet. Im Stadion werden eher Experten als Laien sitzen – und die kommen tatsächlich aus ganz Europa. Immerhin 20 Prozent der insgesamt 130.000 Tickets für die beiden Spiele gingen an Fans vom europäischen Festland. Und das bei happigen Preisen, die billigsten Karten kosteten 40 Euro – mit eher bescheidener Sicht aus dem zweiten Oberrang.

Immerhin bekommen die Besucher auch einiges geboten. Und das nicht nur, weil Prinz Harry den Eröffnungswurf ausführen wird. Auch sportlich gibt es im Baseball nichts Besseres als ein Duell zwischen Boston und New York. Die Rivalität zwischen Red Sox und Yankees gilt als die größte im US-Sport, mehr als 2200 Mal haben die beiden Teams in über 100 Jahren schon gegeneinander gespielt.

Auch in dieser Saison wollen beide Mannschaften um den Titel kämpfen, wobei New York nach rund der Hälfte der 162 Spiele umfassenden Saison momentan etwas stärker ist. Die Spieler jedenfalls freuen sich schon. Yankees-Werfer C. C. Sabathia deutete sogar an, dass er auch wegen der London Series sein Karriereende noch um ein Jahr aufgeschoben habe: „Wenn ich das nur im Fernsehen hätte verfolgen können, wäre ich sicher ein bisschen neidisch gewesen. Jetzt die Chance zu haben, bei den ersten Spielen in Großbritannien dabei zu sein, wird sicher ein Spaß“, sagte der 38-Jährige.

Und weil der Spaß am schönsten ist, wenn er eine Fortsetzung findet, wird die MLB im nächsten Jahr wiederkehren. Dann mit einer Zwei-Spiele-Serie zwischen den Chicago Cubs und den St. Louis Cardinals. Ausgetragen wird sie natürlich in London, das 2020 vermutlich nicht mehr viel mit der Union hinter dem Kanal zu tun haben wird, wo aber weiterhin das europäische Herz des US-Sports schlägt.

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