Sport : Lukas Podolski

Wie der Nationalstürmer vom FC Bayern München das Spiel gegen Hertha BSC erlebt hat

Ingo Schmidt-Tychsen

Es dauert fünf Minuten und 59 Sekunden, ehe Lukas Podolski zum ersten Mal den Ball bekommt. Mark van Bommel spielt ihn auf Höhe der Mittellinie an, Podolski lässt den Ball direkt in die Abwehr der Bayern zurückprallen. Das Spiel jenseits des Strafraumes ist nicht die Stärke des Stürmers vom FC Bayern München. Auch an diesem Nachmittag im Olympiastadion nicht. Wenn van Bommel den Ball in Podolskis Lauf spielen will, bleibt der Stürmer stehen. Wenn Podolski losrennt, bekommt er den Ball in den Rücken gespielt.

Herthas stämmiger Verteidiger Dick van Burik weicht lange nicht von der Seite des 21 Jahre alten Stürmers. Die beiden traben nebeneinander her, das erinnert eher an Jogging im Park denn an die Fußball-Bundesliga. Eine halbe Stunde geht das so. Dann schlagen die Bayern ihre zweite Ecke. Podolski springt höher als Herthas Gilberto und köpft den Ball Richtung Tor, den Abpraller verwandelt Hasan Salihamidzic. Gleich drei Bayern-Profis herzen Podolski.

Es gilt den jungen Angreifer aufzumuntern. Zwei Saisontore sind ihm erst gelungen, eines per Elfmeter in der vergangenen Woche und eines im Hinspiel gegen Hertha. Erst unter dem neuen Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld steht Podolski in der Startformation der Münchner, bei Hertha zum dritten Mal in der Rückrunde. In der gesamten Hinserie hatte er nur zweimal beginnen dürfen.

In Berlin überschreitet Podolski unmittelbar nach dem 1:0 erstmals in der Begegnung das Jogging-Tempo. Er hängt den Berliner Arne Friedrich ab und schießt Salihamidzics Vorlage volley mit dem linken Fuß in die rechte Ecke. Podolski reißt die Arme hoch und läuft Richtung Hertha-Fankurve. Er tritt gegen die Eckfahne, und verschwindet kurz darauf unter roten Bayern-Trikots. Podolski wird gefeiert.

Die beiden gelungenen Aktionen verändern das Auftreten von Podolski radikal. „Vor dem Tor hat mir das Spiel von Podolski nicht so gefallen“, wird Bayern-Manager Uli Hoeneß später sagen. Danach beginnt Podolski seine Mitspieler auf sich aufmerksam zu machen, er winkt und ruft. Er spricht mal mit van Bommel, mal mit Owen Hargreaves. Die Bälle im Mittelfeld aber erreichen ihn noch immer selten. Auch in der zweiten Halbzeit bleibt das so: Einen Abschlag von Oliver Kahn verpasst er, weil er sich gerade mit van Bommel unterhält. Als Hertha neun Minuten später auf 1:2 verkürzt, ist Podolski nicht in Ballnähe. In der 68. Minute folgt Podolskis dritte gute Szene: Er schiebt den Ball durch Herthas Abwehrreihe in den Sprint von Roy Makaay, der das 3:1 erzielt.

Makaay winkt ab, als die anderen Münchner sich mit ihm freuen wollen – zuerst möchte er sich bei Podolski bedanken. Makaay umarmt ihn, hebt ihn in die Luft. Danach schießt Podolski noch zweimal gefährlich aufs Tor, aber Herthas Torwart pariert. Insgesamt vier Mal hat Podolski an diesem Nachmittag aufs Tor geschossen – daraus sind zwei Treffer entstanden. Was er mit Podolski gemacht habe, wird Ottmar Hitzfeld hinterher gefragt. „Nicht viel“, sagt der neue Bayern-Trainer. „Ich habe ihn einfach aufgestelllt.“

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