Marco Huck im Interview : „Mein Wunsch: gegen die Klitschkos boxen"

Haben Sie davon geträumt, Boxweltmeister zu werden?

Ja, das war ein Tagtraum. Ich weiß es noch genau. Es war in Paris, ich stand vor einem Spiegel, war kurz vor dem Finale der Kickbox-Weltmeisterschaft. Ich stand also vor dem Spiegel und zeigte mit dem Finger auf mein Spiegelbild und sagte: Morgen wirst du es packen, morgen wirst du jüngster deutscher Kickbox-Weltmeister aller Zeiten. Der Rekord wurde aufgestellt von Ferdinand Mack 1979. Der ist damals mit 19 Jahren Vollkontakt-Kickbox-Weltmeister geworden. Ich bin es dann mit 18 geworden. Nachdem ich mir diesen Traum verwirklicht hatte, stand ich wieder vor dem Spiegel. Du hast hier alles erreicht. Jetzt wirst du Box-Weltmeister.

Reizte die größere Prominenz?

Mehr oder weniger. Ich habe mich früher gar nicht fürs Boxen interessiert, geschweige denn fürs Kickboxen. Eigentlich wollte ich mal ein Karatekämpfer werden. So wie Bruce Lee oder Jean-Claude van Damme. Ich war ein hyperaktives Kind. Meine Eltern hatten damals viel Kummer mit mir. Mit zehn meldete mich mein Onkel auf Wunsch meiner Eltern beim Taekwondo an. Mit 15 hatte ich den schwarzen Gürtel, ich stand im Finale der WM in Eindhoven. Beim Teakwondo geht es nur um Semikontakt, leider hab ich im Finale meinen Gegner aus Versehen k. o. geschlagen. Ich wurde disqualifiziert. Und landete beim Boxen.

Und nun ist es Ihnen im Cruisergewicht zu eng geworden. Sie haben Alexander Powetkin, den WBA-Weltmeister im Schwergewicht, herausgefordert.

Ja, aber allen steht der Wunsch, gegen die Klitschkos zu boxen.

Ist das nicht ein bisschen viel?

Nein, nur ehrlich. Wer vom Schwergewicht redet, hat die Klitschkos vor Augen. Einen solchen Kampf zu bekommen, ist nicht einfach. Ich möchte erst einmal Powetkin am 25. Februar boxen, der schon Olympiasieger war und einen guten Ruf genießt. Wenn ich den schlage, dann sehen wir mal weiter.

Was treibt Sie? Sie könnten im Cruisergewicht Ihren Titel verteidigen und schönes Geld verdienen. Geht es Ihnen um die größere Popularität?

Da muss ich einhaken. Das Cruisergewicht hat niemanden interessiert. Erst durch meine Kämpfe wird es beachtet. Das wissen nicht nur die Experten.

Es gibt abschreckende Beispiele. David Haye und Tomasz Adamek, zwei frühere Weltmeister im Cruisergewicht, sind jüngst gegen die Klitschkos gescheitert.

Ich bin kein Haye und auch kein Adamek. Haye war gegen Wladimir Klitschko nicht gut, aber er hat zuvor den noch größeren Weltmeister Walujew zum Wanken gebracht. Und Adamek habe ich vor Jahren im Sparring durch die Seile gehauen. Was soll ich sagen?

Was macht Sie optimistisch?

Das Problem der Jungs ist, dass sie sich alle genau dann, wenn es gegen die Klitschkos geht, in die Hosen machen. Sie geben sich alle schon vorher auf. Ich aber habe Herz, und ich bin kein typischer Boxer. Ich schlage aus alle Rohren. Ich bin mir sicher, dass sich ein Klitschko schon noch umschaut, wenn er mir im Ring gegenübersteht.

Wer von ihnen ist einfacher zu boxen?

Vorneweg eins. Ich bewundere die Klitschkos. Sie sind in Deutschland für jeden ein Begriff, ob Schuhverkäufer oder Klavierspieler. Wladimir ist der bessere Boxer, hat aber ein Herz wie ein Küken. Witali ist ein echter Brocken, in jeder Hinsicht. Aber Mike Tyson war nur 1,80 Meter groß, und trotzdem sind alle gefallen wie Bäume.

Jetzt prahlen sie aber.

Viele Kollegen von mir schleimen, oder sagen etwas aus PR-Gründen. Ich aber sage, was ich denke. Ich bin keiner, der etwas sagt oder tut, damit ihn die Leute beachten oder lieben. Ich bin ein normaler Mensch, ein Mann der Nation. Ich kämpfe für meine Fans. Was ich tue und mache, kommt aus dem Herzen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über Muamer Hukic' Kindheitsflucht vom Balkan nach Deutschland.

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