Meinungsfreiheit von Fußballprofis : Wer mündig ist, bestimmt der Verein

Die Bayern-Profis sollen die Werte des Vereins auch in sozialen Netzwerken weitergeben. Das klingt gut, wirft aber grundsätzliche Fragen auf. Ein Kommentar.

Mehr als Fußball: Bayern-Profi Leon Goretzka hat etwas zu sagen.
Mehr als Fußball: Bayern-Profi Leon Goretzka hat etwas zu sagen.Foto: Sven Hoppe/dpa

Na, das ist doch mal eine gute Nachricht mitten in diesen Tagen, in denen doch viele Nachrichten eher belastend wirken. Der FC Bayern fordert seine Fußballer auf, die Werte und Prinzipien des Vereins in den sozialen Netzwerken an die Fans weiterzugeben. Präsident Herbert Hainer hat das gesagt. Der Nachfolger von Uli Hoeneß, dem Anhänger des Analogen, dem die digitale Welt eher fremd war.

Doch wer bestimmt diese Hainer'schen Werte eigentlich? Werden sie auf Grundlage von Menschlichkeit oder des Grundgesetzes festgelegt, muss man in die Geschäftsordnung der FC Bayern AG schauen, oder ist es gar der Präsident, der sagt, was nun wertvoll ist und was nicht?

Was würde Mesut Özil tun?

Klar, über Rassismus oder Vollpfostentum wie zuletzt bei Borussia Mönchengladbach und dem Fadenkreuz-Plakat gegen Hoffenheims Mäzen Hopp gesehen, muss nicht diskutiert werden. Wer das macht, der diskreditiert sich. Das sollte kein Profi medial gutheißen.

Aber wenn ich zum Beispiel als Spieler Mesut Özil heiße und ein Foto von mir und dem türkischen Präsidenten poste, dann ist das wahrscheinlich nicht korrekt im Sinne des FC Bayern. Aber ist es korrekt, wenn Leon Goretzka seine eher links bis grün angehauchte Weltsicht durch den Orkus twittert?

Es ist klar, dass er kein glühender Fan der CSU ist, und große Autos mag er ja auch nicht, dabei hat Audi doch Anteile an der FC Bayern AG. Aber Herr Hainer will das alles „auf Linie“ trimmen. Einfach erscheint das kaum, zudem sind die Profis zwar Vorbilder, aber eben auch Menschen und eben mündige Bürger. Und das sollten Vorbilder auch sein.

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