Mobbing-Vorwürfe : DFB trifft sich mit Schiedsrichtern zur Aussprache

Manuel Gräfe war der Erste, jetzt hat sich ein weiterer Schiedsrichter beim DFB beschwert. Eine Aussprache soll nun die Differenzen beheben.

Die Vorwürfe richten sich auch gegen Hellmut Krug.
Die Vorwürfe richten sich auch gegen Hellmut Krug.Foto: dpa

Es schien sich alles wieder beruhigt zu haben. Die Bundesliga läuft ohne größeren Skandal einfach immer weiter, und die Schiedsrichter machen Woche für Woche ihren Job. Intern hat sich der Ärger aber offenbar nie gelegt, seitdem Schiedsrichter Manuel Gräfe dem Tagesspiegel zu Saisonbeginn ein Interview gegeben hat, in dem er seinen ehemaligen Chefs Hellmut Krug und Herbert Fandel Vetternwirtschaft und manipulatives Verhalten vorwarf. Im Gegenteil: Der Streit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat sich sogar nochmals zugespitzt. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ soll ein zweiter hochrangiger Schiedsrichter jetzt um Aussprache beim DFB gebeten haben.

Wie der Tagesspiegel erfuhr, soll es deshalb nun am Dienstag um 14.30 Uhr zu einem Treffen in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main kommen. Mit dabei sind DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann, der für das Schiedsrichterwesen zuständig ist, DFB-Direktor Willi Hink, Schiedsrichterchef Lutz Fröhlich sowie Manuel Gräfe und der andere Schiedsrichter, dem die Methoden von Fandel und Krug wohl ebenfalls missfallen haben. Die beiden Beschuldigten selbst sind geladen. Bei dem Gespräch gehe es unter anderem um die von Manuel Gräfe geäußerten Vorwürfe, bestätigte Zimmermann dem Sport-Informationsdienst. Gräfe hatte die Auswahlwahlmethoden seiner früheren Vorgesetzten im Tagesspiegel scharf kritisiert. Zu oft sei es dabei nicht nach Leistung, sondern nach Gusto gegangen. „Die beiden haben sich ihre Schiedsrichterliste so zusammengebastelt, wie sie es wollten“, sagte der 44-Jährige, der seit 2004 Spiele in der Bundesliga pfeift. „Es ging nicht vorrangig nach Leistung und deshalb zu Lasten des Fußballs, wie man ja auch an dem Leistungsabfall bis zum Sommer 2016 merkte.“

Öffentlich äußern will sich keiner

Der Berliner Schiedsrichter wurde daraufhin zu einem Gespräch mit Schiedsrichterchef Fröhlich zitiert, durfte aber weiter in der Bundesliga auf dem Platz stehen – zuletzt am Samstag beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen den FC Augsburg. Dem Vernehmen nach stützen mehrere andere Schiedsrichter die Vorwürfe Gräfes, öffentlich äußern wollte sich – auch auf Bestreben des DFB, der die Referees um Stillschweigen bat – aber niemand. Dabei kam es schon Anfang 2016 zum Aufstand gegen Krug und Fandel, als bei einer anonymen Befragung 75 Prozent der Schiedsrichter den Führungsstil der beiden kritisierten. Danach wurde Fandel zwar durch Fröhlich ersetzt, blieb aber Chef der Schiedsrichter-Kommission.

Und genau hier liegt das Problem für viele Referees: Fandel und Krug besitzen immer noch großen Einfluss. Denn auch Krug ist immer noch Teil des Systems. Er wurde als Schiedsrichtermanager von der Deutschen Fußball-Liga zum DFB zurückgeholt und leitet die Projektgruppe Videobeweis. Warum der DFB trotz der wiederholten Vorwürfe an seiner Person festhält, dürfte bei dem Gespräch am Dienstag zur Debatte stehen. Für das systematische Mobbing unter Krug und Fandel führt die „Bild am Sonntag“ die Beispiele Guido Winkmann und Robert Hartmann an, die auf Lehrgängen wiederholt mit besonders schwachen Leistungen konfrontiert worden sein sollen. Gräfe hat im Tagesspiegel auch auf die erste deutsche Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus verwiesen, die lange Zeit nicht für die oberste Spielklasse berücksichtigt worden war. Zudem hieß es immer wieder, dass die Chefs meinungsstarke Schiedsrichter wie Manuel Gräfe und Felix Brych absichtlich klein halten wollten, damit sie ihnen nicht gefährlich werden.

Andere, die auf der Linie von Krug und Fandel waren, sollen dagegen bevorzugt worden sein. „Wenn sie eine Gruppe von rund 80 Schiedsrichtern führen, in der jeder vor allem auch eigene Interessen verfolgt, kann man nicht erwarten, dass immer alle zufrieden sind“, entgegnete Fandel in der „Bild am Sonntag“. Die Zeitung will erfahren haben, dass eben dieser Fandel mehrere Schiedsrichter aufgefordert hatte, gegen Manuel Gräfe und dessen Vorwürfe Stellung zu beziehen. Getan hat es niemand.

Auch Herbert Fandel wird kritisiert.
Auch Herbert Fandel wird kritisiert.Foto: dpa
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