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Mobbing-Vorwürfe : Streit zwischen DFB und Schiedsrichtern geht weiter

Nach Manuel Gräfe hat sich nun auch Schiedsrichter Felix Brych mit dem DFB angelegt. Fast vier Stunden lang trafen sie sich mit DFB-Vertretern zur Krisensitzung.

Der Berliner Manuel Gräfe pfeift seit 2004 in der Bundesliga.
Der Berliner Manuel Gräfe pfeift seit 2004 in der Bundesliga.Foto: dpa

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe konnten ihren Streit bei einer Krisensitzung am Dienstagabend nicht beenden. Nach fast vier Stunden gingen die Parteien ohne Ergebnis auseinander. Die verschiedenen Sichtweisen und Vorwürfe seien in aller Offenheit angesprochen worden, hieß es in einer Mitteilung von DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann. Gräfe hatte seinen ehemaligen Chefs Hellmut Krug und Herbert Fandel in einem Interview mit dem Tagesspiegel Vetternwirtschaft bei der Auswahl der Schiedsrichter und Mobbing vorgeworfen. Zu oft sei es nach Gusto und nicht nach Leistung gegangen, sagte er zu Beginn der Bundesliga-Saison.

In dem Gespräch in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main wurde Gräfe nun von seinem Kollegen Felix Brych unterstützt, der zuletzt zwei Jahre lang DFB-Schiedsrichter des Jahres war und Sprecher der Referees ist. Dem Vernehmen nach teilt Brych die Ansichten Gräfes. Der Berliner Schiedsrichter sprach in einer nach der Krisensitzung veröffentlichten Mitteilung von dem Versuch, „die von uns aufgezeigten Fehlentwicklungen auf persönliche Empfindlichkeiten von mir oder anderen abzustellen“. Sein Ziel sei es dagegen, Transparenz und Gerechtigkeit herzustellen, sagte Gräfe. „Der Einfluss von Herbert Fandel und Hellmut Krug sorgt leider immer noch für das Gegenteil.“ Wo das hinführe, könne man an den Leistungen der Saison 2015/16 sehen und nun auch bei der unzulänglichen Behandlung des Themas Videobeweis.

Zwar haben Krug und Fandel inzwischen die Posten gewechselt, sind aber immer noch beim DFB aktiv. Beide waren bei der Aussprache ebenso dabei wie der jetzige Schiedsrichter-Chef Lutz Fröhlich und die DFB-Vertreter Willi Hink (Direktor) und Ronny Zimmermann (Vizepräsident). Wie es weitergeht, ließen alle Beteiligten offen. Vom DFB hieß es lediglich: Die Eindrücke aus der Unterredung würden in einem nächsten Schritt analysiert.

Manuel Gräfes Erklärung im Wortlaut:

Meine persönliche Aussprache mit dem DFB hat bereits vor sechs Wochen nach der Veröffentlichung meines Interviews mit dem „Tagesspiegel“ mit dem Generalsekretär Friedrich Curtius und dem Leiter des Elite-Bereichs Lutz Fröhlich stattgefunden.

Heute war ich in erster Linie beim DFB, um den Ausführungen von Felix Brych beizuwohnen, der seine ähnlichen persönlichen Erfahrungen in den letzten Jahren mit Hellmut Krug und Herbert Fandel sowie als Sprecher der Bundesliga-Schiedsrichter den Eindruck etlicher Schiedsrichter geschildert hat. Der durchschaubare Versuch, die von uns aufgezeigten Fehlentwicklungen auf persönliche Empfindlichkeiten von mir oder anderen abzustellen, geht fehl.

Das insbesondere vor dem Hintergrund meiner Schiedsrichter-Vita: Ich habe den Hoyzer-Skandal damals allein im Herbst 2004 recherchiert und meine Ergebnisse Lutz Fröhlich präsentiert, der diese dann an Volker Roth und den DFB weitergab. Dieses war in meiner ersten Saison als Bundesliga-Schiedsrichter ein hohes Risiko für mich, das ich aber im Interesse des Fußballs einging, um noch Schlimmeres zu verhindern.

Auch mein öffentlicher Einsatz sowohl öffentlich („11 Freunde“-Interview nach dem Suizidversuch von Babak Rafati) als auch immer wieder intern, um zu verbesserten Rahmenbedingungen für die Schiedsrichter zu kommen, hat mich persönlich nicht vorangebracht sondern im Gegenteil zu Problemen mit den beiden genannten Funktionären geführt. Aber im Interesse besserer Schiedsrichter-Leistungen aufgrund optimierter Bedingungen für die Aktiven habe ich mich auch dafür eingesetzt.

In Berlin habe ich als Leiter der Lehrgemeinschaft Zehlendorf aus ähnlichen Gründen eine Strukturreform gegen eben diese Art von Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft von Schiedsrichter-Funktionären initiiert, nachdem immer mehr Schiedsrichter aufhörten, die sich so etwas nicht länger antun wollten. Seitdem für mehr Kontrolle und Transparenz der regionalen Ausschüsse gesorgt wurde, was dann noch von der Basis weiterentwickelt wurde, herrscht mehr Zufriedenheit im Berliner Schiedsrichterbereich.

Das ist auch hier mein Ziel: für mehr Gerechtigkeit und Transparenz zu sorgen. Der Einfluss von Herbert Fandel und Hellmut Krug sorgt leider immer noch für das Gegenteil. Wo dieses hinführt, haben wir zum Beispiel leider an den Leistungen der Saison 2015/16 sehen müssen und sehen es nun auch bei der unzulänglichen Behandlung des Themas Videobeweis.

Ich habe diese gesamte Problematik seit 2015 immer wieder intern sowohl bei den Verantwortlichen des Schiedsrichterausschusses als auch auf höheren Ebenen des DFB und letztlich in der Öffentlichkeit angesprochen. Es obliegt nun dem DFB, für Veränderungen zu sorgen.

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