Monoski bei den Paralympics 2018 : Kopf an Kopf

Im Ski alpin holte Deutschland zehn Medaillen. Anna Schaffelhuber und Anna-Lena Forster bringen jeweils zweimal Gold nach Hause.

Benjamin Brown
Medaillengarantie. Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber holte zweimal Gold, einmal Silber.
Medaillengarantie. Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber holte zweimal Gold, einmal Silber.Foto: dpa

Als Anna Schaffelhuber am ersten Wettkampftag der Paralympischen Spiele in Pyeongchang über die Ziellinie fuhr, konnte sie noch nicht sicher wissen, dass es erneut für Gold reichen würde. Die Monoskifahrerin war in der Abfahrt als Erste gestartet und musste die Läufe ihrer sechs Konkurrentinnen abwarten, bevor endgültig feststand: 1:33.26 – Gold!

„Ich wollte in Pyeongchang unbedingt Gold holen, das habe ich geschafft“, sagte die 25-Jährige. Der Druck sei abgefallen, den sie sich nach ihren fünf Goldmedaillen in Sotschi gemacht hatte. Es ging erfolgreich weiter: Ein Sieg im Super-G und die Silbermedaille in der Super Kombination. Die Athletin ist zur Medaillengarantie geworden.

Beim Ski alpin holten die deutsche Mannschaft insgesamt zehn Medaillen, alle von ihnen wurden von den deutschen Frauen geholt. Monoskifahrerin Anna-Lena Forster brachte es zu Gold in der Super Kombination, ihr erster paralympischer Sieg nach zwei Silber- und einer Bronzemedaille 2014 in Russland, zu dem ihr Schaffelhuber gratulierte. Und doch hatte man das Gefühl, dass die Silbermedaille für Schaffelhuber eine Enttäuschung war. Es fiel ihr sichtlich schwer, sich für ihre Teamkollegin zu freuen. Am letzten Wettkampftag machte Forster den Slalom perfekt, holte ihr zweites Gold. Das hatte Schaffelhuber, die den vierten Platz belegte, bereits vorausgesehen. Im Ziel umarmte sie Forster herzlich.

Die beiden Athletinnen der Klassifizierung „Sitzend“ waren nicht die einzigen Medaillenträgerinnen des deutschen Teams. Andrea Rothfuss, im deutschen Team „Silberfuss“ getauft, holte vier Silbermedaillen und einmal Bronze. „Wir sind bei den Paralympics und ich habe vier Silbermedaillen geholt, das ist super!“, sagte die 28-Jährige, der ewig zweite Platz sei kein Fluch.

Dass die deutschen Medaillengewinnerinnen in unterschiedlichen Kategorien antraten, ist eine Besonderheit der Paralympics. Im Para Ski alpin gibt es je nach Behinderung getrennte Wettkämpfe: Sehbehinderung, stehend und sitzend. Die Athleten erhalten innerhalb ihrer Wettkampfklasse Klassifizierungen, nach denen ihre Zeit unterschiedlich schnell läuft. So wird in den Rennen in der Abfahrt, dem Super-G, der Super Kombination, dem Slalom und dem Riesenslalom sichergestellt, dass der Wettkampf fair ist.

Jede Kategorie hat ihre Besonderheiten. Beim Wettbewerb der Sportler mit Sehbehinderung war es im Jeongseon Alpine Centre zwar voll, und doch vollkommen still. Während des Rennens kommunizieren die Skifahrer über Bluetooth Headsets mit ihrem Guide, der dicht vor ihnen fährt und sie mit Kommandos die Piste hinunterführt. Das Maskottchen der Spiele, Bandabi, erinnerte die Zuschauer über eine Leinwand daran, still zu sein, bis Fahrer und Guide die Ziellinie überquert hatten.

In den anderen beiden Kategorien durften die Fans aus aller Welt aber lautstark anfeuern und jubeln – und das taten sie auch und sorgten für gute Stimmung. Das sah auch der deutsche Monoskifahrer Thomas Nolte so, der begeistert sagte, dass es bei den paralympischen Wettkämpfen mehr Fans gegeben habe, als wenige Wochen zuvor bei Olympia.

BENJAMIN BROWN, 20 JAHRE,
SUN KIM, 21 JAHRE

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