Sport : Münchner Dialektik

Benedikt Voigt

Also, wenn wir Ottmar Hitzfeld beim Wort nehmen, wird der FC Bayern München in dieser Saison nicht mehr Deutscher Meister. Auf gar keinen Fall. Auch nicht, wenn seine Mannschaft in zwei Wochen im Heimspiel Schalke 04 besiegt und nur noch sechs Punkte Rückstand auf den Tabellenführer besitzt. Sieben Spieltage vor Saisonende ist das nämlich nicht mehr aufzuholen. Schon gar nicht von einem Klub, der in seiner Vergangenheit 20-mal Deutscher Meister geworden ist, in den vergangenen zwei Jahren das Double gewonnen hat und aktuell im Viertelfinale der Champions League steht. Also, machen wir es wie Ottmar Hitzfeld, Gratulation an Schalke 04, Werder Bremen oder wen auch immer.

Natürlich ist das alles großer Blödsinn. Der inoffizielle Paragraf eins Absatz eins der Münchner Vereinsordnung lautet: Der FC Bayern hat immer und zu jeder Zeit Deutscher Meister zu werden – und wenn es mal nicht gelingen sollte, muss es der FC Bayern zumindest bis zum Schluss versuchen. Vielleicht klappt es ja doch noch. Daran hat sich auch in dieser Saison nichts geändert, und Bayerns alter und neuer Trainer Ottmar Hitzfeld weiß das auch. Oder sollte er in der vergangenen Woche seinen Vertrag verlängert haben, ohne an den Meistertitel zu glauben? Sein Satz „Das Thema deutsche Meisterschaft ist erledigt“ ist daher allein dialektisch zu verstehen. Er bedeutet: Einerseits sieht es im Moment nicht gut aus mit der Meisterschaft für den FC Bayern; andererseits ist es besonders schön, acht Spieltage vor Saisonende neun Punkte Rückstand auf den Tabellenführer zu haben – und trotzdem wieder Deutscher Meister zu werden.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!