Mütter und Leistungssport : Der schwierige Kampf ums Glück

Kind und Karriere - das passt auch im Leistungssport oft nicht zusammen. Es gibt aber Beispiele die Mut machen, auch wenn ein Comeback oft harte Arbeit ist.

Caroline von Molitor
Kim Clijsters gewann als junge Mutter 2009 die US Open. Nun plant sie ein neuerliches Comeback.
Kim Clijsters gewann als junge Mutter 2009 die US Open. Nun plant sie ein neuerliches Comeback.Foto: dpa

Nicht nur Christina Schwanitz, auch andere Sportlerinnen haben bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha gezeigt, dass eine Babypause nicht das Karriereende bedeuten muss. Eine von ihnen ist Allyson Felix. Die 33-Jährige bekam Ende 2018 ihr Kind, nun gewann sie mit der 4x400 Meter-Mixed- Staffel der USA ihre zwölfte WM-Goldmedaille. Damit ist sie die neue Rekordhalterin – noch vor Superstar Usain Bolt. Aber Felix geht nicht nur sportlich voran, vor den Wettkämpfen kritisierte sie ihren Sponsor Nike für den Umgang mit schwangeren Sportlerinnen, nachdem dieser ihr aufgrund ihrer Schwangerschaft einen 70 Prozent geringer dotierten Vertrag angeboten hatte.

„Wenn wir Kinder bekommen, riskieren wir finanzielle Einbußen während der Schwangerschaft und danach. Es ist ein Beispiel für eine Sportindustrie, in der Regeln immer noch meistens für und von Männern gemacht werden“, sagte Felix in einem Artikel der „New York Times“. Weil Nike das Angebot nicht erhöhen wollte, wird Felix künftig als erste Sportlerin in der Marke Athleta laufen.

Auch für Shelly-Ann Fraser-Pryce verliefen die Weltmeisterschaften in Doha nach ihrer Babypause erfolgreich. Sie pausierte insgesamt eineinhalb Jahre und gab 2018, nicht einmal ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes Zyon, ihr Comeback. Die Jamaikanerin lief nun beim Sprint über 100 Meter mit einer Zeit von 10,71 Sekunden zu Gold und jubelte freudestrahlend. Mit dieser Zeit liegt sie nur knapp hinter ihrer 2012 erreichten Bestmarke und beweist so, dass man auch als Mutter Bestleistungen zeigen kann: „So zurückzukommen, nachdem ich ein Baby bekommen habe – was für eine wundervolle Reise. Ich bin so glücklich“, sagte sie. Die Reise ist aber nicht nur wundervoll, sondern auch schwierig.

Neben der Sorge, dass ihr Comeback misslingt, haben viele Sportlerinnen Angst, die wichtigsten Entwicklungsphasen ihrer Kinder nicht miterleben zu können. Tennisspielerin Serena Williams etwa twitterte 2018 während des Turniers in Wimbledon: „Sie hat ihre ersten Schritte gemacht… Ich habe trainiert und es verpasst. Ich habe geweint.“ Die 38-Jährige erreichte nach ihrer Rückkehr in den Profisport vier Mal das Finale eines Grand-Slam-Turniers, verlor allerdings jedes Mal.

Kim Clijsters will noch einmal ein Comeback wagen

Williams befindet sich auf einem ähnlichen Weg wie Kim Clijsters vor einigen Jahren. „Ich glaube, ich werde nach der Saison 2007 aufhören. Mein Körper bereitet mir jede Menge Probleme. Ich bin erst 22, aber mein Körper fühlt sich viel älter an.“ So kündigte die Belgierin ihren frühen Rücktritt aus dem Leistungssport an. Hauptgrund dafür waren vor allem die vielen Verletzungen – aber auch ihre anstehende Familienplanung. Nach einer gut zweijährigen Auszeit, in der ihre Tochter Anfang 2008 geboren wurde, gewann die Tennisspielerin im Jahr 2009 die US-Open. Nach drei erfolgreichen Jahren trat Clijsters erneut zurück. 41 Einzel-Titel hat sie in ihrer Karriere gewonnen. Es könnten sogar noch mehr werden. Denn nun, mit 36 Jahren und als dreifache Mutter, kündigte Clijsters ihr abermaliges Comeback für 2020 an: „Ich habe Freunde, die wollen den New-York-Marathon laufen, bevor sie 50 sind. Ich liebe es eben immer noch, Tennis zu spielen. Ich will wieder stark werden. Das ist mein persönlicher Marathon.“

Während die Rückkehr in den Profisport bei den meisten Sportlerinnen ein längerer Prozess ist, schaffte es die US-amerikanische Fußballerin Sydney Leroux, nur drei Monate nach der Entbindung, ein Spiel für ihren Verein Orlando Pride zu bestreiten. Grund für die schnelle Rückkehr war möglicherweise, dass sie sich während ihrer Schwangerschaft besonders fit hielt. Als sie im sechsten Monat schwanger war, trainierte sie noch mit ihrer Mannschaft und löste damit große Diskussionen aus. Darf man das, fragten sich viele. Mit solchen Aussagen müssen sich viele Mütter im Leistungssport auseinandersetzen. Auch Shell-Ann Fraser-Pryce. Sie sagt: „Die Welt meint, du solltest mit einem Baby warten, bis du aufgehört hast. Aber ich hatte andere Pläne.“

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