Sport : Mut zur Größe

Beim Pokalfinale wird Volleyball zum Event – 11 000 Fans werden erwartet

Karsten Doneck

Berlin - Alle schwelgten in Begeisterung. Nur der Präsident fand noch einen klitzekleinen Grund zum Mäkeln. Werner von Moltke, Chef des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), nahm Anstoß an der Zuschauerzahl. „Also“, sagte van Moltke nach dem deutschen Volleyball-Pokalfinale im vergangenen Jahr, „den einen Zuschauer hätten wir doch auch noch finden können, dann wär’s eine nette Zahl geworden.“ Offiziell hatte der Hallensprecher im Gerry-Weber-Stadion in Halle (Westfalen) eine mit 11 110 Zuschauern ausverkaufte Veranstaltung gemeldet. Für Volleyball in Deutschland war das ein neuer Zuschauerrekord, auch wenn von Moltke eine Schnapszahl mit lauter Einsen lieber gewesen wäre.

An diesem Sonntag finden erneut die Pokalfinals statt, zum zweiten Mal hintereinander in Halle. Bei den Männern trifft wie im Vorjahr der VfB Friedrichshafen auf den Moerser SC, bei den Frauen kommt es zum Duell des Schweriner SC gegen den Dresdner SC. Und höchstwahrscheinlich wird die vor allem durch ein Tennisturnier bekannt gewordene Arena wieder ausverkauft sein. Volleyball boomt? Sicher nicht. Das „Volleyball-Magazin“ meldete unlängst eher alarmierende Zahlen. 50 053 Mitglieder habe der Volleyball in Deutschland seit 1997 verloren. Und in den Bundesligen der Männer und Frauen sind Zuschauerzahlen unter der Tausendermarke keine Ausnahme.

Für Stelian Moculescu sind solche Probleme hausgemacht. „Es gibt ein paar Schulturnhallen hierzulande, da musst du dich ja schämen, wenn da mal das Fernsehen kommt“, sagt der Bundestrainer, zugleich Coach des Deutschen Meisters VfB Friedrichshafen. Er beklagt die provinziellen Verhältnisse in der ersten Liga. Moculescu fordert: „Wir müssen uns einfach trauen, auch in größeren Dimension zu denken. Ich glaube, dazu hat lange der Mut gefehlt.“

Den Anschub, mehr zu wagen, hat dem DVV das Pokalfinale 2005 geliefert. Das fand in Bonn statt, in der Hardtberghalle: 3500 Zuschauer Fassungsvermögen, mindestens 4500 waren am Finaltag drin, mehrere hundert interessierte Zuschauer mussten wegen Überfüllung der Halle abgewiesen werden. „Das darf nicht sein. Wir werben um jeden Zuschauer und dann schicken wir so viele Leute heim“, ärgerte sich Werner von Moltke damals.

Mit dem Schritt, das nächste Pokalfinale ins Gerry-Weber-Stadion zu verlegen, handelte sich der Verband eine Menge Kritik ein. Zu gigantisch sei das, von Größenwahn war die Rede. Eine ausverkaufte Halle widerlegte die Kritiker. Das Gerry-Weber-Management, erfahren in der Organisation und Werbung für Großveranstaltungen aller Art in der Arena in Halle, setzte seine ganze Maschinerie in Gang, um auch Volleyball zum Event zu machen. Mit Erfolg. „Da kann man sehen, was passiert, wenn man an eine solche Sache die Profis ranlässt“, lobt Stelian Moculescu.

Und auch die Sportler selbst sind voll des Lobes. Jochen Schöps vom VfB Friedrichshafen schwärmt von der Atmosphäre in Halle: „Da denkst du, du kommst in ein volles Fußballstadion rein.“ Und Andrea Berg vom letztjährigen Frauenfinalisten USC Münster nahm gleich etwas mit fürs weitere Leben. „Atemberaubend, kribbelig und Gänsehaut verursachend“ sei es gewesen, sagte sie – und: „Das behält man sein Leben lang im Gedächtnis.“

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