Nach dem DFB-Pokalsieg : Niko Kovac schlägt nachdenkliche Töne an

Niko Kovac hat sich die Anerkennung als Trainer des FC Bayern München mühsam erarbeiten müssen – Karl-Heinz Rummenigge vergisst ihn in der Dankesrede.

Niko Kovac gewann in seiner ersten Saison als Bayern-Trainer das Double.
Niko Kovac gewann in seiner ersten Saison als Bayern-Trainer das Double.Foto: REUTERS/Andreas Gebert

Irgendwann stand Niko Kovac ganz allein mit dem Pokal da. Mitten auf dem Rasen des Olympiastadions. Das güldene Ding hielt er an einem ausgestreckten Arm in die Höhe, vor seinem Bauch baumelte eine Medaille am grünen Band. Er drehte sich einmal im Rund, dann gab er den Pokal anderen in die Hände. Das Bild hatte eine ungewollte Symbolik. Wochenlang, ja eigentlich monatelang hat ihn der Vorstandvorsitzende der FC Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, zappeln lassen. Selbst als Kovacs Team im Frühjahr Borussia Dortmund mit 5:0 überrannte, die Tabellenführung übernahm und den Weg zur Meisterschaft ebnete, piesackte Rummenigge. Für keinen gebe es beim FCB eine Jobgarantie, jeder müsse liefern. Und überhaupt habe sich der Trainer mit seiner Rotation „selbst ein Bein gestellt“.

Wer weiß, was Rummenigge in dem Moment gedacht hat, als er Kovac eine Woche nach dem Gewinn der Meisterschaft nun dort unten mit dem Pokal sah. In seiner mitternächtlichen Dankesrede in der Hauptstadtrepräsentanz des Klub-Hauptsponsors vergaß er den Namen des Trainers. Rummenigge dankte eigentlich allen – der Mannschaft, den Betreuern, den Sponsoren, ja selbst zwei Mitarbeiter aus der medizinischen Abteilung des Vereins wurden namentlich erwähnt. Für Niko Kovac war da offenbar kein Platz. Nur ein Fauxpas?

Irgendwann an diesem Abend hatte Rummenigge die Frage, ob Kovac nun Trainer bleibe, recht umständlich beantwortet: „Das haben wir eigentlich nie infrage gestellt. Wir haben nie gesagt, wir stellen irgendwas infrage. Es hat keiner infrage gestellt, und es war für uns auch kein Thema, dass er mit seiner Laufzeit bis 2021, die er hat, vorher ganz einfach da nicht mehr Trainer ist.“ Ein klares Bekenntnis klingt anders.

Der FC Bayern kann manchmal auch ein sehr komischer Verein sein. Vor einem Sommer haben sie den vergleichsweise unerfahrenen Kovac als Cheftrainer geholt, der sie im Pokalfinale gedemütigt hatte. Mit Eintracht Frankfurt, einem Verein, der 30 Jahre lang keinen großen Titel mehr gewonnen hatte. Kovac fand in München einen Kader vor, der zwar nach wie vor hohe Qualität aufwies, in dem es aber rumorte zwischen jung und alt, es gab Eifersüchteleien und Befindlichkeiten, teilweise mangelte es dem Kader auch an Fantasie und Gier.

Vor einem Jahr haben die Frankfurter Profis nach ihrem Pokaltriumph ihren Trainer auf der nächtlichen Pressekonferenz aufgesucht, um ihm vor zahlreichen Fernsehkameras einige Kaltgetränke über den Kopf zu gießen. Dieses Mal kam niemand, auch wenn Kovac immer mal wieder zur Seite blickte, als er vor der Presse saß. Der Pokalsieg mit der Eintracht sei „eine Sensation“ gewesen, sagte Kovac. Auch sein jetziges Team würde sich freuen in der Kabine, aber bei den Bayern „gehören Titel jedes Jahr dazu“.

In der Rückrunde verlor Bayern nur zwei Mal

Auf die Frage, ob er im vorigen November nach dem 3:3 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf, dem Tiefpunkt der Spielzeit für die Bayern, noch geglaubt habe, am Ende mit dem Double aus Meisterschaft und Pokal dastehen zu können, antwortete der 47-Jährige ausweichend. „Ja, schon, aber wenn ich das so gesagt hätte, hätten doch alle gesagt, jetzt dreht er aber am Zeiger.“ Damals hatten die Bayern in der Liga neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund.

Nicht wenige sahen darin eine Zeitenwende im deutschen Fußball. Etwas später schlugen die Bayern in der Champions League Benfica Lissabon mit 5:1, was Kovac in der Nacht des Berliner Pokalsieges als „Turnaround“ bezeichnete. Danach hat seine Mannschaft in der Rückrunde nur noch zwei Spiele verloren, gegen Leverkusen in der Liga und gegen Liverpool in der Champions League. „Im Oktober und November war es eine schwierige Phase, aber wir haben dann insgesamt elf Punkte und 30 Tore auf Dortmund gutgemacht. Jetzt haben wir das Double geschafft. Ich bin glücklich.“

Es sind aber auch nachdenkliche Töne, die Kovac in der Nacht von Berlin findet. „Ich würde mir manchmal wirklich wünschen, dass alles ein bisschen anders läuft. Das Rad zurückzudrehen ist schwierig. Wir sollten alle daran arbeiten, wir sind schließlich alles Menschen. Wir sollten zusehen, dass wir miteinander auskommen.“ Kritik sei „immer berechtigt, aber die Art und Weise ist entscheidend“. Angesichts der ständigen Unruhe um seine Person seien die Titel „sehr wichtig“, sie „geben uns recht, dass wir gut gearbeitet haben“.

Erst am Sonntag bekennt sich Hoeneß öffentlich zu Kovac

Niko Kovac musste sich die Anerkennung als Bayern-Trainer mühsam erkämpfen, weniger bei den Fans. Auch deshalb habe er sich im Olympiastadion das Megaphon geben lassen und sich an die über 20 000 mitgereisten Bayern-Fans in der Ostkurve gewandt. Er habe sich bei den Anhängern für ihre Unterstützung in einer nicht so leichten Zeit bedankt, für ihre Zuneigung. „Was die letzte Woche – beim 5:1 über Frankfurt – und heute passiert ist, macht mich stolz und froh“, rief er jenen zu, die ihn schon während des Spiels lautstark feierten. „Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen. Herzlichen Dank, ich kann euch gar nicht sagen, wie stolz ich auf euch bin.“

Auf die Frage, wie ihn denn das eine Jahr als Bayern-Trainer verändert habe, antwortete der Double-Sieger-Trainer ausweichend: „Hier sitzt der Niko Kovac mit einem Jahr mehr Erfahrung“, sagte er und lächelte vielsagend. „Ansonsten bin ich so, wie ich bin. Und so möchte ich bleiben.“ Und dann sagte er noch, dass er momentan nicht daran denke, wann es wieder losgeht. „Ich freue mich jetzt auf den Urlaub“, sagte Kovac, „es war ein anstrengende Saison.“

Erst am Sonntag, beim Empfang auf dem Münchner Marienplatz, gab Uli Hoeneß ein klares Bekenntnis ab. Auf die Frage, ob Niko Kovac Trainer bleibe, antwortete der Präsident des FC Bayern München: „Hundertprozentig ja“.

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