Der amtierende Vizeweltmeister schied zuletzt meist in der Vorrunde aus

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Nach dem EM-Aus : Hollands steinharte Wahrheit
Heimgerobbt. Holland war bei dieser EM nur Punktelieferant.
Heimgerobbt. Holland war bei dieser EM nur Punktelieferant.Foto: AFP

Bert van Marwijk, dessen Vertrag erst vor kurzem bis 2016 verlängert worden war, steht vor dem Abschied – entweder von sich aus oder per Kündigung. Der Sechzigjährige, im Sommer vor zwei Jahren zum „Ritter des Ordens von Oranje-Nassau“ geschlagen, saß bei seinem vielleicht letzten Auftritt als Chefcoach der Niederlande eher wie ein armer Ritter ohne Rüstung im Pressekonferenzraum des Metalist-Stadions und gab keine Antwort auf die Frage aller Fragen: „Sie können mich gern nach allem fragen, aber nicht nach meiner Zukunft.“

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass van Marwijk Nationalcoach bleibt. Vor allem, wenn man auf die Halbwertzeit der Trainer in Diensten des Königlich Niederländischen Fußball-Verbandes schaut: Seit 1905 haben sich 44 Fußballpädagogen an diesem Job versucht, meist kurzzeitig. Van Marwijk war immerhin vier Jahre im Amt, am Sonntagabend übernahm er die Verantwortung für das Scheitern. Er wirkte nach der Niederlage gegen Portugal, die viel deutlicher hätte ausfallen können, ratlos. „Wir waren nicht in der Verfassung, Tore zu schießen. Wir haben unsere Chancen leichtfertig vergeben und dann selbst Tore bekommen. Wir sind selbst schuld.“

So sahen es auch die Spieler, die in den Minuten, da alles vorbei war für Holland, keine billigen Ausflüchte suchten. Arjen Robben, schon bei den Münchner Bayern von Enttäuschungen auf hohem Niveau geplagt, empfahl allen Kollegen, „in den Spiegel zu schauen, denn wir sind nach drei Niederlagen rausgeflogen, das ist die steinharte Wahrheit“. Sie trifft seit 1996 bei Europameisterschaften alle Teams, die sich zwei Jahre vorher als WM-Zweite feiern ließen. Zuerst sagte Italien 1996 nach der Vorrunde Ciao, danach sagte 2004 Deutschland Auf Wiedersehen, ehe sich Frankreich 2008 mit einem Adieu anschloss. Nun also die Niederlande, die seit 1980 erstmals wieder die EM-Vorrunde nicht überstanden. Mit einer niederschmetternden Bilanz: Tiefer ist im internationalen Fußball lange niemand mehr gefallen.

Die wichtigsten Spieler sind um die 30 Jahre alt, das Team braucht frisches Blut

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