Nach dem Spiel gegen THW Kiel : Füchse Berlin dürfen ein bisschen träumen

Sieg in Flensburg, Punkt gegen Kiel: Die berliner Füchse halten in dieser Saison mit den Spitzenklubs mit.

Einer der Bekanntesten. Und Besten! Silvio Heinevetter brachte Kiel mit seinen Paraden zur Verzweiflung.
Einer der Bekanntesten. Und Besten! Silvio Heinevetter brachte Kiel mit seinen Paraden zur Verzweiflung.Foto: Annegret Hilse/dpa

Silvio Heinevetter strotzte nur so vor Selbstvertrauen. Der Schlussmann der Berliner Handballer parierte im Spiel gegen den THW Kiel einen Ball nach dem anderen. Immer wieder peitschten seine Glanztaten das Publikum an. Bereits im Pokalspiel unter der Woche in Flensburg war Heinevetter der entscheidende Faktor, an seinem 33. Geburtstag ließ der Nationaltorhüter am Sonnabend die nächste Galavorstellung folgen.

„Wenn unsere Torhüter so spielen, können wir jeden Gegner schlagen“, sagte Berlins Trainer Velimir Petkovic. Gegen den THW wurde der Sieg in den Schlusssekunden zwar etwas unglücklich verpasst, das lag aber vor allem an Heinevetters Gegenüber im Kasten der Gäste. Auch Niklas Landin erwischte einen herausragenden Tag und sicherte Kiel einen Punkt.

Wenn „die Woche der Wahrheit“, wie die Füchse die beiden Spiele gegen Flensburg und Kiel betitelt hatten, eine Antwort lieferte, dann folgende: Die Berliner halten in dieser Saison mit den Spitzenmannschaften mit. „Flensburg geschlagen und Kiel am Rande einer Niederlage gehabt“, sagt Manager Bob Hanning: „Davon haben wir lange geträumt.“

Den Blick für die Realität nicht verlieren

Es spricht einiges dafür, dass der Traum des derzeitigen Tabellenführers noch ein Weilchen andauert. Lediglich der Meister aus Mannheim, die Rhein-Neckar Löwen, gehen derzeit gewohnt souverän durch die Saison. Die Klubs aus Flensburg und Kiel scheinen von ihrem Selbstverständnis her ein wenig geschrumpft, die Verfolger aus den vergangenen Jahren haben dagegen an Größe gewonnen. Allen voran die Füchse drängen derzeit mit aller Macht in diese Spitzengruppe der vergangenen Jahre. „Ich habe immer gesagt: Wir spielen mit den anderen Verfolgern eine eigene Meisterschaft aus“, sagt Hanning: „Aber wenn jetzt einer von denen da oben schwächelt, dann müssen wir dieses Mal da sein. Dann greifen wir an.“ Bei aller Euphorie zur Zeit will der Manager den Blick für die Realität aber nicht verlieren.

Zu Saisonbeginn hatten sich die Berliner mit acht Siegen in Folge gleich in Position gebracht. Selbstbewusst ging es dann in die Spiele gegen Flensburg und Kiel, in denen die Berliner auch in kritischen Phasen nicht in Hektik verfielen. „Wir haben in dieser Saison eine große Qualität“, sagt Petkovic: „Wir geben nicht auf. Wir kämpfen bis zur letzten Sekunde.“

Motiviert von hinten nach vorn

Die Großtaten von Heinevetter übertrugen sich im Spiel gegen Kiel auf seine gesamte Vordermannschaft. Allen voran Steffen Fäth, mit acht Treffern bester Schütze der Berliner, bestätigte seine herausragende Form aus den vergangenen Wochen. Dass gegen Kiel dann auch noch das Eigengewächs Kevin Struck für Jubelstürme in der ausverkauften Halle sorgte, freute vor allem Manager Hanning. „Seine beiden Tore jeweils am Ende der Halbzeiten – das war wirklich richtig gut.“ Die außergewöhnliche Leistung des 20 Jahre alten Linksaußen dürften wohl auch Christian Prokop nicht entgangen sein. Der Bundestrainer saß vor den beiden Testländerspielen am kommenden Wochenende gegen Spanien auf der Tribüne. Von den Füchsen wurden Heinevetter, Fäth, Paul Drux und Fabian Wiede nominiert.

Enger Terminkalender kommt zur Belastungsprobe

In der Bundesliga geht es für die Berliner am 2. November in Göppingen weiter. Dann geht es Schlag auf Schlag. Sollte sich die Mannschaft Mitte November gegen Porto für die Gruppenphase im EHF-Pokal qualifizieren, werden zu dem ohnehin engen Terminkalender auch noch weite Reisen hinzukommen. Diese Phase der Saison wird für die Füchse zum nächsten Belastungstest werden. Den ersten haben sie ja gerade erst überstanden. Nach einigem Verletzungspech stand Petkovic bis vor wenigen Wochen nur eine Rumpftruppe seines Kaders zur Verfügung – in Marko Kopljar wartet derzeit nur noch der prominenteste Sommerzugang auf sein Debüt.

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