Nach dem Unfall zum Erfolg : Das zweite Leben des Lars Hoffmann

Mit dem Handbike schaffte er den Neuanfang. Jetzt will er mehr. Sein Ziel: Die Weltmeisterschaft in den Niederlanden 2019.

Zentimeter über dem Asphalt. Lars Hoffmann fährt mit dem Handbike quer durch Deutschland.
Zentimeter über dem Asphalt. Lars Hoffmann fährt mit dem Handbike quer durch Deutschland.Foto: promo

Sein zweites Leben, sagt er, beginnt im August 2004. Als er mit dem Motorrad von der Arbeit nach Hause fährt. Als er in einer Linkskurve von der Straße abkommt, in den Graben fliegt und mit dem Kopf auf eine Mauer knallt. Er ist nicht zu schnell unterwegs. Vielleicht 35 Kilometer die Stunde. Weder er, noch Gutachter haben später eine Erklärung. Bei dem Unfall verletzt er sich an der Wirbelsäule: Querschnittlähmung. Reset. Neuanfang.

Bis zu diesem Tag, erzählt Lars Hoffmann, war er KFZ-Meister und Motorradfanatiker. Von Beruf und Hobby musste er sich nach seinem Unfall verabschieden, mit seiner Frau und den Kindern in ein behindertengerechtes Haus in Weinböhla ziehen. Er musste verstehen, dass es keine Hoffnung gab, je wieder laufen zu können, und erkennen, dass es sich dennoch lohnte, weiterzumachen. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn seines neuen Daseins wurde der Sport.

Im Liegen, wenige Zentimeter über dem Asphalt, trainiert der 49-Jährige mehrere Stunden täglich, legt jede Woche hunderte Kilometer zurück. Seine Arme und die Kurbeln seines Handbikes bringen ihn heute weiter, als es seine Beine je vermocht hätten. Marathon in Berlin, Miami und New York. In der Stadt, die niemals schläft, wird er Zweiter. 24-Stunden-Rennen am Lausitzring. 540 Kilometer von Trondheim nach Oslo. 661 Kilometer quer durch die Bundesrepublik. Hoffmann lotet seine Grenzen aus. „Wenn man was macht, dann richtig“, sagt er.

Der Sprung in die Weltelite soll bald kommen

Das Geld der Berufsgenossenschaft, die sich nach einem Arbeitsunfall um Reha, Hausumbau und Rente kümmert, sichert ihn finanziell ab. Der Sport mache ihn fit und emotional stärker, lenke ihn ab von den alltäglichen Problemen, wie dem Bordstein, der mal wieder zu hoch, und dem Kino, das nicht barrierefrei sei. Mit seinem Handbike könne er zeigen, was „trotz Handicap machbar ist“. Und: „Wenn dadurch nur ein oder zwei Leute aus ihrem Tief rauskommen und ebenfalls zum Sport finden, habe ich schon was bewirkt.“

Hoffmann weiß, dass er auf derzeitigem Niveau in seinem Alter nur noch wenige Jahre handbiken kann. Dass der Sprung in die Weltelite bald kommen muss oder nie mehr kommt. Also will er nochmal „richtig Gas geben“. Sein Ziel: Die Weltmeisterschaft in den Niederlanden 2019. Er legt den Fokus jetzt auf die Deutsche Meisterschaft. Das sei sein Traum, sagt er. Und Träume seien da, um erfüllt zu werden.

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