Nach Manipulation im belgischen Fußball : Wie ein Paragraph den KV Mechelen rettete

Der belgische KV Mechelen wurde wegen Spielmanipulation verurteilt und von der Europa League ausgeschlossen. Nur dem Zwangsabstieg entgeht der Klub.

Erlösung. Igor de Camargo und Mera German Caceres dürfen mit dem KV Mechelen erstklassig spielen.
Erlösung. Igor de Camargo und Mera German Caceres dürfen mit dem KV Mechelen erstklassig spielen.Foto: Imago/Belga

Es ist eine Geschichte, die an der Glaubwürdigkeit des Fußballs zweifeln lässt. Der belgische Klub KV Mechelen hat in der Saison 2017/18 versucht, durch Spielmanipulationen den Abstieg aus der heimischen Jupiler League zu verhindern. Zu diesem Zweck sollen mehrere Erstligaspiele verschoben worden sein. Es gelang allerdings nicht, Mechelen stieg ab. Anschließend wurden vier Vorstandsmitglieder vom Sportgericht verurteilt und für bis zu zehn Jahre von jeglichen Aktivitäten im Fußballverband ausgeschlossen. Das ist ein Jahr her – und nur der erste Teil der Geschichte.

Nun, da der Klub nicht nur den sofortigen Wiederaufstieg schaffte, sondern auch als Pokalsieger sportlich in die Gruppenphase der Europa League einzog, rollte der belgische Fußballverband den Fall noch einmal auf. Er wollte Mechelen eine angemessene Strafe aufbrummen – den sofortigen Zwangsabstieg anordnen und dem Klub das Startrecht für den Europapokal rauben. Den ersten Start in der Europa League seit 26 Jahren.

So entschied der Verband in erster Instanz. Mechelen zog allerdings weiter vors belgische Sport-Schiedsgericht. Und das entschied, dass ein Zwangsabstieg nicht rechtens sei – da es einen Paragraphen gibt, der vorgibt, dass Vereine nur für Vergehen der aktuellen Saison bestraft werden dürfen. Die Spielmanipulation des KV Mechelen liegt allerdings ein Jahr zurück. Den Ausschluss von der Europa League hingegen bestätigte das Gericht.

Dabei hatte der KV Mechelen bis zuletzt gehofft, doch in der Europa League starten zu dürfen. Grund dafür war das ungeschickte Vorgehen des europäischen Fußballverbandes Uefa. Die hatte zugesagt, dass Mechelen starten dürfe, sollte das Sport-Schiedsgericht zum Ergebnis kommen, dass sich Mechelen nichts zu Schulden kommen lassen hat. Nach dem Urteil gab die Uefa dem Ausschluss allerdings dann doch statt.

Und auch der Klub reagierte prompt: Der KV Mechelen wolle auf einen Einspruch gegen die Entscheidung der Uefa verzichten, um mit dem traurigen Kapitel in der Vereinsgeschichte abschließen zu können. Etwas anderes blieb dem Klub wohl auch nicht übrig. Schließlich hat er es überhaupt einem einzigen Paragraphen zu verdanken, dass er nicht erneut in der Bedeutungslosigkeit des belgischen Fußballs verschwindet.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!