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Nach Rücktritt von Özil : DFB weist Rassismus-Vorwurf zurück

Erst 18 Stunden nach dessen Rundumschlag reagiert der DFB auf den Rücktritt von Mesut Özil. Klar distanziert sich der Verband von Rassismusvorwürfen. Viele Anschuldigungen bleiben unkommentiert.

Logo und Schriftzug sind vor der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Logo und Schriftzug sind vor der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).Foto: dpa/ Arne Dedert

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat den von Mesut Özil erhobenen Vorwurf des Rassismus einen Tag nach dem Rücktritt des Weltmeisters zurückgewiesen. In einer Stellungnahme am Montag hieß es: "Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir aber mit Blick auf seine Repräsentanten, Mitarbeiter, die Vereine, die Leistungen der Millionen Ehrenamtlichen an der Basis in aller Deutlichkeit zurück." Der DFB engagiere sich seit vielen Jahren für die Integrationsarbeit in Deutschland, stehe für Vielfalt, "von den Vertretern an der Spitze bis zu den unzähligen, tagtäglich engagierten Menschen an der Basis".

Der Verband bedauerte den Abschied des Mittelfeldspielers aus der Nationalmannschaft. Özil habe eine erfolgreiche Ära mitgeprägt, auf und gerade auch neben dem Platz, und habe entscheidenden Anteil daran gehabt, dass Deutschland 2014 in Brasilien Weltmeister geworden ist. "Deshalb ist und bleibt der DFB Mesut Özil für seine herausragenden Leistungen im Trikot der deutschen Nationalmannschaften sehr dankbar", so der Verband in der Stellungnahme.

Rassismus, Karrieregeilheit, Desinteresse, Propaganda - Özils Liste an Vorwürfen war lang. Viele Anschuldigungen ließ der DFB unkommentiert. Der DFB hätte sich gefreut, wenn Mesut Özil auf der Basis gemeinsamer Werte weiter Teil des Teams hätte sein wollen. "Er hat sich anders entschieden. Der DFB respektiert das, und es gehört für uns als Verband auch zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler, dass wir manche für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit unkommentiert lassen", hieß es in der Stellungnahme.

DFB räumt auch eigene Fehler ein

Zu weiteren personellen Konsequenzen und der Zukunft des stark in der Kritik stehenden Grindel machte der Verband keine Angaben. Der 56 Jahre alte DFB-Chef, der derzeit im Urlaub verweilen soll, wurde in der veröffentlichten Mitteilung auch nicht zitiert. Nach der massiven  Attacke Özils, die der Profi am Sonntag über die sozialen Netzwerke inszenierte, dürfte aber auch der CDU-Politiker um sein Amt fürchten müssen. Einzelne Politiker forderten in der Debatte um Integration bereits einen Rücktritt des DFB-Präsidenten, dem Özil „Inkompetenz und Unfähigkeit“ vorgewrfen hatte. Diesem wolle er nicht länger als „Sündenbock“ dienen.

Der DFB gestand in der der schwelenden Affäre um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auch eigene Fehler ein. „Dass der DFB im Umgang mit dem Thema dazu auch einen Beitrag geleistet hat, räumen wir selbstkritisch ein“, hieß es in der Mitteilung. Dass Özil zum Ziel von rassistischen Parolen wurde und der Verband seinen Spieler nicht ausreichend geschützt habe, „bedauern wir“. 

Rainer Koch weist Angriffe gegen DFB-Spitze zurück

Am Montag äußerte sich auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch. Er bedauerte den Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft und weist die Rassismus-Vorwürfe gegen den Verband zurück. Özil habe "großen Anteil an den überragenden sportlichen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft im letzten Jahrzehnt", schrieb Koch auf seiner Facebook-Seite. "Mit Nachdruck sind Angriffe gegen die DFB-Spitze zurückzuweisen, die die umfassende, seit vielen Jahren geleistete Integrationsarbeit des DFB und seiner über 25000 Fußballvereine in Frage stellen und den DFB mit Rassismus in Verbindung bringen."

Koch schloss sein Statement mit den Worten: "Persönlich möchte ich noch sagen: Mesut Özil ist Deutscher und deshalb selbstverständlich auch mein Mitbürger. Für Positionen, die Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund wegen ihrer Herkunft ausgrenzen stehe ich nicht zur Verfügung. Gerade deshalb akzeptiere ich auch keine Rassismusvorwürfe gegen die DFB-Spitze." (mit dpa)

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