Preetz kann mit der Rolle des Sündenbocks leben

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Nach Selbst-Interview : Hertha-Manager Preetz verteidigt sich

Den üblichen Weg – durch die Mixed- Zone, vorbei an den Journalisten und Kamerteams – nahm Preetz allerdings auch nicht. Er war am Spieltag für die Medien nicht mehr greifbar. Und das war eine bewusste Entscheidung, bestätigt Herthas Manager. „Die Niederlage hat bei uns allen starke Emotionen ausgelöst“, sagt er. „Da ist es ratsam, eine Nacht über die Sache zu schlafen.“ Im Übrigen sei es sein gutes Recht, auch mal nichts zu sagen.

Die harsche Kritik an dem Interview auf der vereinseigenen Internetseite bezeichnet Preetz als „unfassbar unterirdisch“. Er habe sich lediglich an die Fans gewandt, seine Sicht der Dinge dargestellt und eine sachliche Analyse des Spiels gegen Wolfsburg betrieben. Mag sein, dass dies seine Intention war – bewirkt hat Herthas Manager exakt das Gegenteil. „Nur noch peinlich, Herr Preetz“, schreibt ein User bei Tagesspiegel.de. Preetz verwundern solche Reaktionen nicht: „Wir sind in einer Situation, in der du sagen kannst, was du willst: Es ist nichts richtig – weil uns die Ergebnisse fehlen.“ Dass er in der Öffentlichkeit immer mehr als Sündenbock für die unbefriedigende Situation herhalten muss, „damit kann ich leben“.

Die Situation wird für ihn zumindest so lange erträglich sein, wie Werner Gegenbauer ihm den Rücken stärkt. Bisher hat Herthas Präsident jegliche Diskussion um Preetz unterbunden, mit dem er einst den Machtkampf gegen Dieter Hoeneß bestritten und gewonnen hat. Diese Erfahrung schweißt zusammen. Doch was passiert, wenn Gegenbauer merkt, dass der Unmut gegen Preetz auch seine Position in Gefahr bringt? Im Mai stellt sich Herthas Präsident zur Wiederwahl. Ursprünglich war die Mitgliederversammlung für den 7. Mai terminiert, zwei Tage nach Saisonende. Nach Informationen des Tagesspiegels will Gegenbauer den Termin um drei Wochen nach hinten verschieben. Wie auch immer die Saison für Hertha ausgeht – vielleicht hat sich die Aufregung dann schon wieder ein bisschen gelegt.

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