• Nationalmannschaft der Niederlande: Der neue Erfolg unter Bondscoach Ronald Koeman

Nationalmannschaft der Niederlande : Der neue Erfolg unter Bondscoach Ronald Koeman

Der Trainer des deutschen Gegners setzt voll auf die Jugend. Seither spielt Holland wieder attraktiven und erfolgreichen Fußball.

Nationalcoach Ronald Koeman.
Nationalcoach Ronald Koeman.Foto: AFP

So richtig glauben können es die Niederländer selbst nicht. Nach all dem, was passiert ist, nach der verpassten Europameisterschaft, der verpassten Weltmeisterschaft, nach Rücktritten und Entlassungen soll ihre Nationalmannschaft auf einmal wieder so erfolgreichen und auch noch schönen Fußball spielen? „Es ist, als ob sie aus einem Brunnen voller Selbstvertrauen getrunken hat“, schrieb die Zeitung „De Volkskrant“ am Samstag nach dem 2:0-Sieg der Holländer über Weltmeister Frankreich. „So spielt sich das Oranje von Bondscoach Ronald Koeman in den Status einer Topmannschaft.“

Und: „Wer ist noch mal Weltmeister?“ Tatsächlich ist es Nationaltrainer Ronald Koeman zusammen mit Sportdirektor Nico-Jan Hoogma in einem Dreivierteljahr gelungen, ein neues Team zu formen, das Spaß macht und international wieder mithalten kann.

Als Koeman die Mannschaft im Februar übernahm, war daran nicht zu denken. Vor der WM durften die Niederländer in ein paar Testspielen als Sparringspartner herhalten, und als die WM in Russland begann, saßen die Holländer vor dem Fernseher. Doch Koeman hat das Konzept verändert und seine Pläne konsequent durchgesetzt. Wie Bundestrainer Joachim Löw jetzt mit einiger Verspätung, so hat der 55 Jahre alte Koeman von Beginn an auf die Jugend gesetzt – und damit liegt er bislang richtig. „Die Mannschaft spielt mit einer klaren Idee, mit Kreativität. Das ist schon auch durchdacht“, sagt Löw über die Elftal.

Spieler wie Matthijs de Ligt oder der 21 Jahre junge Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam begeistern längst die Experten in ganz Europa. Schon beim 3:0 gegen Deutschland im Oktober ließ Mittelfeldspieler de Jong sein Talent immer wieder aufblitzen. Gegen Frankreich gelang ihm das nun sogar über 90 Minuten. Die Generation, die nun vorspielt, wird schon mit jener zu Beginn des Jahrhunderts verglichen, als van Robin van Persie, Arjen Robben, Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder auf der Bildfläche erschienen. Trainer Koeman ist natürlich davon überzeugt, dass es die richtige Strategie ist, komplett auf die Jugend zu setzen. Doch dass sie so schnell wirkt, überrascht selbst ihn. „Was diese Spieler zeigen, ist außergewöhnlich gut“, sagte er nach dem Sieg gegen die Franzosen.

Ein Remis reicht fürs Endturnier

Koeman, der zwischen 1983 und 1994 selbst erfolgreich in der niederländischen Nationalmannschaft spielte, hat sich Zeit gelassen mit der Aufgabe als Nationaltrainer. Viele in den Niederlanden hätten ihn gerne schon nach der verpassten Europameisterschaft 2016 als Bondscoach gesehen. Damals trainierte er aber noch den FC Everton in der englischen Premier League – seine neunte Stadion als Coach. Inzwischen wird er im Land als „König Koeman“ gefeiert. Und er hat ja gerade erst angefangen.

Gegen Deutschland reicht ihm mit seinem Team an diesem Montag bereits ein Unentschieden, um sich für das Endturnier der Nations League in Portugal im kommenden Sommer zu qualifizieren. „Wer hätte das gedacht?“, fragte Koeman. „Als die Auslosung mit Frankreich und Deutschland kam, haben alle gedacht, wir hätten keine Chance.“ Nun sind es die Deutschen, die schon vor dem Spiel gegen den Nachbarn keine Chance mehr haben, sich in der Nations- League-Gruppe zu halten. „Ein holländisches Fest bei einem abgestiegenen Deutschland? Das wäre toll“, sagte de Jong im TV-Sender Veronica.

Sonst aber hielten sich die holländischen Spieler und Trainer mit Sticheleien gegen den großen Nachbarn auffallend zurück. „Natürlich ist gesunde Konkurrenz zwischen den beiden Mannschaften noch da. Gegen Holland verliert kein Deutscher gern – und umgekehrt. Aber alles bleibt im sportlichen Rahmen, das ist gut“, sagte Sportdirektor Hoogma der „Bild am Sonntag“. Sie wissen mittlerweile bei den Holländern eben, dass sie einfach wieder sportlich überzeugen können. (Tsp/dpa)

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