Nationalmannschaft von Holland vorgeführt : Jetzt müssen Lehren gezogen werden

Beim 2:4 gegen die Niederlande war ein Klassenunterschied sichtbar. Das ist ärgerlich, aber erklärbar - aus dem Umbruch muss ein Aufbruch werden. Ein Kommentar

Dahin Timo. Wohin Trainer? Joachim Löw (links) und Timo Werner im Diaolog.
Dahin Timo. Wohin Trainer? Joachim Löw (links) und Timo Werner im Diaolog.Foto: Patrick Stollarz/AFP

Sagen wir es mal so: Die neuformierte deutsche Mannschaft ist mit der 2:4-Niederlage in Hamburg noch gut bedient. Es hätten auch sechs Gegentore sein können. An diesem Freitagabend war ein Klassenunterschied sichtbar. Das ist zwar ärgerlich, aber auch erklärbar.

Die deutsche Nationalelf befindet sich in einem Umbruch, spieltechnisch und personell. In solchen Phasen unterliegt ein Team Schwankungen, die Ausschläge reichen von ganz oben bis ganz unten.

Außer, dass die Mannschaft von Joachim Löw einen entscheidenden Schritt Richtung EM-Turnier nicht gesetzt hat, ist nichts Schlimmes passiert. Nur müssen daraus rasch die Lehren gezogen werden. Teilweise war es eine Vorführung. Beinahe so, wie beim 0:3 im vergangenen Herbst, gleich nach der desaströsen WM und noch vor dem Umbruch.

Dieser hatte in diesem März beim 3:2-Sieg in Amsterdam gegen denselben Gegner so etwas wie seinen ersten echten Höhepunkt erreicht. Nun, ein halbes Jahr später, gab es den ersten echten Dämpfer.

Die neuformierte Mannschaft des niederländischen Verbandes, hinter dem ganz dürre Jahre liegen, hat mindestens ein Jahr Vorsprung. Die Mannschaft von Ronald Koeman wirkt eingespielter und gereifter. Wenn beim deutschen Team vieles passt, kann es den Nachbarn schlagen. Wenn aber vier Startspieler fehlen, wie am Freitag, und auch von jenseits der Seitenlinie wenig kommt, dann geht es auch mal in die Hose.

Die Qualifikation zur EM sollte nicht in Gefahr geraten

Joachim Löw probierte es dieses Mal mit einer defensiven Ausrichtung. Das ging eine Halbzeit halbwegs gut, aber auch sehr zu Lasten der Kraft und der Lust. Das ständige Hinterherlaufen des Gegners kostet Kraft, vor allem im Kopf. Denn es ist nicht das Spiel der deutschen Mannschaft. Sie hat andere Veranlagungen.

Wenn das die Erkenntnis aus der deftigen Niederlage ist, darf der deutsche Fußballfan hoffen. Die Qualifikation zur EM sollte nicht in Gefahr geraten, dafür ist die restliche Konkurrenz in der Gruppe zu schwach.

Bis zum Turnier im kommenden Sommer ist noch Zeit, aber auch noch viel Arbeit. Jetzt darf wieder gern mehr kommen. Vor allem auch vom Trainer. Sein taktischer Ausgangsplan ging nicht auf an diesem Abend, genauso wenig taugten seine Korrekturen durch irritierende Wechsel. Sonst wird aus dem Umbruch kein Aufbruch werden.

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